Koordination von Arzneimittelspenden: Die Arzneimittelnothilfe des GPHF

Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen oder kriegerische Auseinandersetzung führen in den betroffenen Gebieten immer wieder zu einem akuten Bedarf an großen Mengen von Arzneimitteln. In vielen Fällen können die dringend benötigten Medikamente nur durch Spenden zur Verfügung gestellt werden. In der Vergangenheit ist es dabei immer wieder zu Missverhältnissen zwischen den tatsächlich vor Ort benötigten Arzneimitteln und den als Spende zur Verfügung gestellten Medikamenten gekommen, so dass Arzneimittel im schlimmsten Fall in Häfen ungenutzt liegen blieben oder aufwändig entsorgt werden mussten.

Vor diesem Hintergrund hat der GPHF 1999 das Projekt Arzneimittelnothilfe ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative war es, den von Hilfsorganisationen ermittelten Medikamentenbedarf in einem Katastrophengebiet mit dem Spendenangebot von Arzneimittelherstellern abzugleichen, so dass nur die Arzneimittel als Spende zur Verfügung gestellt werden, die vor Ort auch tatsächlich benötigt wurden.

Um eine Arzneimittelspende bedarfsgerecht durchzuführen, hatte der GPHF Formulare entwickelt und sie Hilfsorganisationen wie Arzneimittelspendern zur Verfügung gestellt. Sie waren an den entsprechenden internationalen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerichtet. Alle für die Abwicklung einer Arzneimittelspende erforderlichen Informationen auf Seiten des Spenders wie auf Seiten des Empfängers werden dabei erfasst. Auf diesem Wege wurde sichergestellt, dass eine Arzneimittelspende nur dann in ein Katastrophengebiet gelangt, wenn ihr ein konkreter Bedarf entgegensteht, der durch eine vor Ort tätige Hilfsorganisation bescheinigt wird.

Dieses Verfahren hat sich in der Vergangenheit vielfach bewährt, beginnend mit den ersten großen Koordinierungen von Arzneimittelspenden durch den GPHF in Folge des Kosovo-Krieges und des Erdbebens in der Türkei 1999. 

Um bei allen Beteiligten und in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für bedarfsgerechte Arzneimittelspenden zu schärfen, wurde auf Initiative des GPHF im Jahre 2000 auch die „Gemeinsame Erklärung zur guten Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland“ entstanden, die von namhaften Hilfsorganisationen gezeichnet wurde. Das vom GPHF ins Leben gerufene Projekt wird heute vom Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) fortgeführt.