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GPHF NEWS I / 2000
Mit zukunftsweisenden Projekten in ein neues
Jahrtausend
GPHF-Vorstand legt Schwerpunkte zukünftiger Projektarbeit fest / Neue
Zusammenarbeit mit Weltgesundheitsorganisation angestrebt
Der Vorstand des GPHF hat im Rahmen seiner turnusmäßigen Sitzungen im Dezember 1999 die Schwerpunkte seiner zukünftigen Projektarbeit festgelegt. Unter dem Titel „GPHF-Strategie 2000+“ wird der Schwerpunkt der Vereinstätigkeit auch weiterhin auf der konkreten Projektarbeit zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern liegen. Zukünftig sollen aber insbesondere solche Projekte durchgeführt werden, die das spezifische Know how der forschenden pharmazeutischen Industrie für eine Verbesserung der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung in den Entwicklungsländern nutzbar machen.
„Wir erhoffen uns von dieser Entscheidung, die uns zur Verfügung stehenden Spenden unserer Mitglieder in Zukunft noch gezielter und effektiver für die Menschen in den Entwicklungsländern einsetzen zu können“, fasst Dr. Gabriele Küsters, Vorsitzende des GPHF, die Zielsetzung der zukünftigen Projektarbeit des GPHF zusammen. „Unser Ansatz, Projekte zu fördern, die Modellcharakter haben und deren Ergebnisse auf Regionen mit vergleichbaren Gesundheitsproblemen zu übertragen sind, hat sich in der Vergangenheit bewährt. Wenn es uns zukünftig gelingt, das immense Wissen unserer Mitgliedsunternehmen noch stärker in unsere Projekte einzubinden, können wir noch erfolgreicher sein.“

Die GPHF-Vorsitzende Dr. Küsters, sieht gute Perspektiven für die
zukünftigen Modellprojekte des GPHF.
Beispielhaft sieht der GPHF diesen Ansatz nicht nur bei der Entwicklung des GPHF-Minilab® realisiert (siehe Bericht auf Seite 3), sondern auch bei dem Modellprojekt zur Diagnose von Jodmangelerkrankungen in Indonesien, das vom GPHF in den vergangenen beiden Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem International Council for Control of Iodine Deficiensy Disorders (ICCIDD) und der Merck KGaA realisiert wurde. „Das ist die Art der Zusammenarbeit, die wir uns auch für die Zukunft wünschen: ein kompetenter internationaler Partner, das Know how unserer Mitglieder und der GPHF als Katalysator für ein erfolgreiches Projekt, das möglichst vielen Menschen zu Gute kommt“, erläutert Dr. Küsters.
Im Zuge seiner neuen strategischen Ausrichtung strebt der GPHF auch die Intensivierung seiner langjährigen und erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation an. In fortgeschrittenem Planungsstadium befindet sich ein neuer Projektvorschlag des GPHF zum Thema „Health Systems“. Das Projekt ist als Modellprojekt konzipiert und soll bereits in Kürze realisiert
werden.

Zahlreiche Spenden für Erdbebenopfer in der Türkei
Namhafte Spende von Pharmacia & Upjohn / GPHF zeichnet Drug Donation Guidelines der Weltgesundheitsorganisation
Zahlreiche Mitgliedsunternehmen des GPHF haben den Opfern des Erdbebens in der Türkei dringend benötigte Arzneimittel gespendet oder finanzielle Hilfen zur Verfügung gestellt. Auch der GPHF konnte wieder eine Reihe von Arzneimittelspenden seiner Mitglieder direkt an vor Ort tätige Hilfsorganisationen vermitteln und damit einen Beitrag zur Linderung der unmittelbaren Not leisten. Zusätzlich stellte das GPHF-Mitglied Pharmacia & Upjohn GmbH (Erlangen) dem GPHF kurzfristig einen namhaften Betrag als zweckgebundene Spende für den Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung in der türkischen Erdbebenregion zur Verfügung. Stellvertretend für den GPHF und seine Mitglieder konnte GPHF-Vorstandsmitglied Bernd Maehliß (Schering AG) im Rahmen einer Spendengala des Zweiten Deutschen Fernsehens das humanitäre Engagement der forschenden Arzneimittelhersteller und des GPHF für die Erdbebenopfer der deutschen Öffentlichkeit
vorstellen.
GPHF-Projekt Arzneimittelspenden
Nachdem der GPHF 1999 sowohl für die Betroffenen im Kosovo als auch in der Türkei die Koordination und Vermittlung von Arzneimittelspenden seiner Mitglieder an Hilfsorganisationen übernommen hatte, sind nun auch die Planungen für ein langfristiges Engagement des GPHF auf diesem Gebiet abgeschlossen. Nach Durchführung von zwei Round Table-Gesprächen mit Unternehmensvertretern und Hilfsorganisationen wurde jetzt eine konkrete Projektplanung vom Vorstand des GPHF verabschiedet. Neben der Vermittlung von Arzneimittelspenden im Falle akuter Notsituationen sieht diese vor allem einen verbesserten Informationsaustausch sowie die Bereitstellung aktueller Informationsmaterialien für die GPHF-Mitglieder vor.
GPHF zeichnet Guidelines
Neben zahlreichen internationalen Hilfsorganisationen hat auch der GPHF seine Bereitschaft signalisiert, die Drug Donation Guidelines der Weltgesundheitsorganisation zu unterzeichnen. In einem Schreiben an die Weltgesundheitsorganisation in Genf erklärte der GPHF, dass er die neuen Richtlinien als wichtiges Instrument erachtet, um zukünftig unerwünschte oder gar schädliche Spenden von Arzneimitteln für Krisenregionen zu unterbinden.
Website Arzneimittelspenden
Der vollständige Text der Guidelines ist der äußerst informativen Website www.drugdonations.org zu entnehmen. In sieben Sprachen enthält sie zudem zahlreiche Informationen und weiterführende Hinweise rund um das Thema
Arzneimittelspenden.

Kurz berichtet
Konzepte für Gesundheit
Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Expertenkommission benannt, die Gesundheitskonzepte für Entwicklungsländer erarbeiten soll. Ihre Aufgabe: Wissenschaftliche Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Volksgesundheit und Wirtschaftswachstum und Vorlage konkreter Lösungsvorschläge.
Studie zur Globalisierung
Unter dem Titel „Die vielen Gesichter der Globalisierung – Perspektiven einer menschengerechten Weltordnung“ hat die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Auf- gaben der Deutschen Bischofskonferenz jetzt eine Studie zu den Erscheinungsformen, Auswirkungen und Herausforderungen der Globalisierung vorgelegt. In der ca. 70seitigen Broschüre werden wirtschaftliche, politische, ökologische und sozio-kulturelle Folgen der Globalisierung dargestellt und zukünftige Handlungsoptionen zur Diskussion gestellt.
Weltsicherheitsrat debattiert über Gesundheit
Erstmals in seiner Geschichte hat sich der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen im Januar mit einem Gesundheitsthema befasst. In seiner Eröffnungsrede erklärte US-Vizepräsident Gore, dass AIDS im 21. Jahrhundert mehr Menschen töten könnte, als alle Kriege des 20. Jahrhunderts. UN-Generalsekretär Kofi Annan unterstrich, dass AIDS in Afrika längst zu einer ernsten Bedrohung der sozialen und politischen Stabilität geworden sei. Laut Unicef leben in Afrika gegenwärtig mehr als 22 Millionen HIV-Infizierte, darunter eine Million Kinder.
Positive Zwischenbilanz
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat eine positive Zwischenbilanz gezogen. Nach Ein- schätzung von Bundesministerin Wieczorek-Zeul wurde die Entwicklungspolitik aufgewertet und hat sich zur globalen Struktur- und Friedenspolitik entwickelt.

Manual Drug Management des GPHF wird überarbeitet
Das GPHF-Manual „Management of Drug Purchasing, Storage and Distribution“ wird überarbeitet und neu aufgelegt. Die ca. 50-seitige Broschüre, die speziell für den Einsatz in Entwicklungsländern konzipiert ist, wurde in den vergangenen Jahren an zahllose Organisationen in aller Welt abgegeben. Die neue Version des Manuals wird voraussichtlich im Herbst 2000 vorliegen. Bis dahin sind über die Geschäftsstelle noch Exemplare der derzeit aktuellen Auflage des Handbuches kostenlos zu beziehen.

Das Zitat:
„Entwicklungszusammenarbeit kann durch die Beteiligung privater Unternehmen kostengünstig,
effizient und in ihrer Wirkung nachhaltig sein.“
Entwicklungshilfeministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul

GPHF-Minilab® in Roll Back Malaria-Projekt
integriert
Präsentationen vor Tropenchirurgen und Bundestagsabgeordneten / GPHF bereitet Video zum Minilab vor
Das vom GPHF entwickelte GPHF-Minilab® zur Identifikation qualitativ minderwertiger oder gefälschter Arzneimittel wird jetzt auch im Rahmen des Roll Back Malaria-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Afrika eingesetzt. Durch den Einsatz des Minilabs soll die Qualität der vor Ort angebotenen Malaria-Medikamente getestet werden. In die Qualitätsstudie, die Anfang 2000 beginnen wird, sollen die Länder Gabun, Ghana, Kenia, Mali, Mozambique, Sudan, Tansania und Zimbabwe einbezogen werden. Vertreter der Länder wurden Ende 1999 durch den GPHF-Projektleiter Dr. Richard Jähnke in die Handhabung des Minilabs eingewiesen. Erste Ergebnisse der Studie werden für den Herbst diesen Jahres
erwartet.

GPHF-Projektleiter Dr. Jähnke erläutert Apothekern aus Ghana und dem Sudan die einfache Methodik des
GPHF-Minilab®.
Weltweit befinden sich zwischenzeitlich bereits zahlreiche Minilabs im Einsatz. Durch die Integration des Minilabs in eines der wichtigsten Programme der Weltgesundheitsorganisation erhofft sich der GPHF eine noch weitere Verbreitung der einfachen und zuverlässigen Testmethoden.
Auf großes Interesse ist das Minilab auch im Rahmen eines internationalen Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Tropenchirurgie im November in Jena gestoßen. Vor einem internationalen Auditorium demonstrierte Dr. Jähnke die einfache Handhabung und Zuverlässigkeit der Testmethoden. Von der Wirksamkeit der Methode hatten sich im vergangenen September auch Bundestagsabgeordnete des Ausschusses für Wirtschaftliche Zusammenarbeit überzeugt. Im Rahmen einer Einladung des Arbeitskreises für medizinische Entwicklungshilfe (AKME) werteten sie das GPHF-Minilab® als ermutigendes Beispiel einer kostengünstigen und effektiven Entwicklungshilfe. Um diesen Zusammenhang auch optisch zu veranschaulichen, bereitet der GPHF gegenwärtig ein Video vor. Vor dem Hintergrund der ersten Erprobung der Testmethoden in Afrika 1998 wird das Minilab in dem Video als einfaches und schnell einsetzbares Instrument zur Verbesserung der Arzneimittelqualität in Entwicklungsländern vorgestellt.
Dass Arzneimittelfälschungen Historie haben, hat jetzt die Deutsche Apotheker Zeitung dokumentiert. In ihrer jüngsten Beilage „Geschichte der Pharmazie“ berichtet sie von Arzneimitteln eines namhaften deutschen Herstellers, die bereits in den zwanziger Jahren zum beliebten Fälschungsobjekt wurden. Gefälschte Verpackungsmaterialien, Etiketten und Inhaltsstoffe sowie skrupellose Geschäftemacher haben also eine lange Geschichte.

Vor hochrangigen Vertretern der WHO und des Gesundheitsministeriums des Gastgeberlandes Ghana erfolgte das Technical Briefing des Roll Back Malaria-Programmes in Accra.

Experten diskutieren Health Sponsoring
Im Mittelpunkt eines Symposiums der Stiftung Immunität und Umwelt wird im Mai 2000 das sogenannte Health Sponsoring stehen. Entwicklungshilfeprojekte, die durch private Träger finanziert werden, gewinnen in jüngster Zeit zunehmend an Bedeutung. Welche Perspektiven sich in diesem Zusammenhang für Gesundheitsprojekte ergeben, wollen internationale Experten erörtern.

„Check out for Children“ – Wenig ist viel in Afrika
von Dr. Hilmar Kienzl,
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des GPHF
Die einfachsten Ideen sind bekanntlich die wirkungsvollsten. Sie benötigen aber einen geistigen Vater, Mut, den Willen Mitstreiter zu finden und eine schlagkräftige Organisation, wenn sie erfolgreich sein wollen. Robert Scott hatte vor einigen Jahren eine solche Idee. Heute kann man diesen Manager der Starwood-Hotelgruppe mit ihren weltweit über 700 Sheraton- und Western-Hotels getrost mit Robin Hood vergleichen. Auch er nimmt von den Wohlhabenden und gibt es den Armen. Allerdings mit einem Unterschied: Die Wohlhabenden zahlen bei Scott freiwillig – durch Aufrunden ihrer Hotelrechnung um einen US-Dollar, der direkt an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF gespendet wird.
Drei Millionen US-Dollar haben die Hotelgäste seit Ende 1995 auf diesem Wege gespendet. Mit diesem Betrag wurden über 200.000 Kinder in den ärmsten Ländern Afrikas gegen die fünf lebensbedrohlichen Infek-
tionskrankheiten Polio, Diphterie, Tetanus, Tuberkulose und Masern ge-impft. Robert Scott und seine Hotelgäste haben den Kindern damit das größte denkbare Geschenk gemacht – eine Impfung, die besonders in Afrika über Leben und Tod entscheiden kann.

Gesundheitsversorgung unter freien Himmel und mit einfachen Mitteln –
noch immer Alltag in vielen Ländern Afrikas.
„Check out for Children“ nennt sich diese beispielhafte Initiative. Sie macht den Hotelgästen, die die rauhe Wirklichkeit der Nichtprivilegierten in Afrika, Asien oder Lateinamerika meist nur aus dem Blickwinkel ihres Taxis kennen, bewusst, mit wie wenig man so viel bewirken kann.
Auf Einladung der Starwood-Hotelgruppe bestand im vergangenen Jahr die Möglichkeit, in Tansania zu besichtigen, wie die Spendengelder eingesetzt werden. Beeindruckend war vor allem die Professionalität des UNICEF-Experten, der seine jahrzehntelange Entwicklungshilfeerfahrung in die Impfprogramme einbringt. Besucht wurden u. a. einfache Dorfzentren, die nur über staubige Pisten zu erreichen sind. Mütter in ihrer Sonntagskleidung marschieren dort mit ihren Babys bis zu zehn Kilometer zu den Impf-, Wiege- und Ernährungsberatungsaktionen, die von einheimischen Krankenschwestern regelmäßig organisiert werden. Beratung zur Geburtenkontrolle und Aidsaufklärung können auf diese Weise zugleich erbracht werden. Das Kindergeschrei unterschied sich nicht von Kinderarztpraxen in Deutschland, nur die Babyfederwaage war an einem starken Ast befestigt. Aber auch in städtischen Gebieten, wie auf der Tansania vorgelagerten Insel Sansibar, unterstützt UNICEF Impfaktionen für Kinder, für deren Eltern 15 US-Dollar für die Impfstoffe pro Kind unerschwinglich wären.
Ein Informationsvideo über ‘Check out for Children’ am Beispiel Tansanias ist jetzt in allen Starwood-Hotels als Begrüßungsvideo zu sehen.
Auch unsere Kinder und wir selbst können im übrigen direkte Nutznießer dieser Impfinitiative werden, wenn das inzwischen schon greifbar nahe Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die weltweite Ausrottung der Kinderlähmungsviren, erreicht wird und Polio uns nicht mehr bedrohen kann. Das Pockenvirus wurde durch Impfungen bekanntlich bereits weltweit besiegt.

Weitere Spende für GPHF-Projektarbeit
Der GPHF bedankt sich bei der ASTA Medica AG (Frankfurt am Main) für ihre großzügige Spende zur Unterstützung seiner Projektarbeit.

Gerd Dörner verstorben
Der GPHF trauert um Gerhard Dörner, der am 27. Januar 2000 im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Dörner zählte zu den Gründungsmitgliedern des GPHF und gehörte ihm als Vorstandsmitglied an. Insgesamt 37 Jahre war er für die Firma Merck - u.a. in Indien und Mexico - tätig. Seit 1985 war Dörner maßgeblich an der Entwicklung der GPHF zur entwicklungspolitischen Initiative der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland beteiligt. Auf große Resonanz ist seine Publikation „Management of Drug Purchasing, Storage and Distribution“ gestoßen, die als GPHF-Manual weltweit zum Einsatz gekommen ist. Auch über seine Pensionierung hinaus blieb Gerd Dörner dem GPHF als kompetenter Ratgeber bei der Realisierung seiner Modellprojekte verbunden.

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