GPHF NEWS I / 2001

-

Arzneimittelnothilfe: GPHF bietet Koordination von Arzneimittelspenden an
Projekt wurde in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert / Gemeinsame Erklärung zur guten Arzneimittelspendenpraxis vorgestellt, Gemeinsame Erklärung zur Spendenpraxis vorgestellt, Koordination hat sich im Kosovo und der Türkei bewährt, Formulare sollen Kommunikation standardisieren und erleichtern, Alle Informationen auch im Internet

- GPHF fördert neue Projekte in Südafrika und Russland
Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung bzw. dem Bundesgesundheitsministerium
- www.gphf.org – GPHF mit neuer Site im Internet
- Gute Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland
Gemeinsame Erklärung des German Pharma Health Fund e.V. (GPHF), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (DIFÄM) und des Deutschen Medikamenten-Hilfswerkes action medeor e.V.

Arzneimittelnothilfe: GPHF bietet Koordination von Arzneimittelspenden an

Projekt wurde in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert / Gemeinsame Erklärung zur guten Arzneimittelspendenpraxis vorgestellt

Der German Pharma Health Fund bietet die Koordination von Arzneimittelspenden im Falle akuter humanitärer Notsituationen an. Ziel des neuen Projektes “Arzneimittelnothilfe” ist es, im Falle von Naturkatastrophen, Kriegen oder vergleichbaren Notsituationen, die kurzfristig zu einem unvorhergesehenen Bedarf von Arzneimittel führen, schnell und unbürokratisch den Kontakt zwischen Hilfsorganisationen bzw. Ministerien und Arzneimittelherstellen herzustellen. Auf Basis von konkreten Bedarfslisten der Hilfsorganisationen wird der GPHF gezielt die Hersteller ansprechen, die die benötigten Medikamente auch tatsächlich zur Verfügung stellen können. Hilfsorganisationen steht damit ein zentraler Ansprechpartner zur Verfügung, der Anfragen bündeln und Nachfrage ebenso wie Angebot koordinieren kann.

Im Rahmen der Projektvorstellung im Wissenschaftszentrum Bonn wies Dr. Carola Fink-Anthe, Vorstandsmitglied des GPHF, vor Vertretern von Hilfsorganisationen, Arzneimittelherstellern und Medien darauf hin, dass sich das neue Angebot des GPHF als Dienstleistung versteht. Sowohl die Entscheidung eines Herstellers, Arzneimittel zu spenden als auch die Entscheidung einer Hilfsorganisation, eine Arzneimittelspende anzunehmen, bleibt von dem zukünftigen Angebot des GPHF unberührt. Ziel ist es allein, schnell den Kontakt zwischen Arzneimittelherstellern und Hilfsorganisationen herzustellen und die Anfragen nach Spenden gezielt und mitauf qualitativ hohem Standard in die richtigen Kanäle zu lenken.

Dr. Fink-Anthe stellte ferner klar, dass sich eine Koordination von Arzneimittelspenden durch den GPHF nur auf akute humanitäre Notsituationen beschränkt. Eine Bearbeitung von Anfragen nach Arzneimittelspenden, etwa im Rahmen langfristiger Entwicklungshilfeprojekte, sei vom GPHF nicht zu leisten. Ferner sei unabdingbar, dass auch die Hilfsorganisationen die Voraussetzungen erfüllen, um die als Spende zur Verfügung gestellten Arzneimittel in das jeweilige Einsatzgebiet expedieren und sachgemäß einsetzen zu können.


Sie stellen das Projekt „Arzneimittelnothilfe“ der Öffentlichkeit vor (v.l.n.r.): H.-H. Schäfer (DRK), A. Petersen (DIFÄM), Dr. G. Küster und Dr. C. Fink-Anthe (GPHF) sowie B. Pastors (action medeor).

Gemeinsame Erklärung zur Spendenpraxis vorgestellt
In Bonn wurde durch Bernd Pastors, Geschäftsführer der action medeor, auch die Erklärung “Gute Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland” vorgestellt, die im vergangenen Jahr vom GPHF gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) und dem Deutschen Medikamenten-Hilfswerk action medeor e.V. erarbeitet wurde. In enger Anlehnung an die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation definiert sie als Maßgaben einer guten Arzneimittelspendenpraxis: einen maximalen Nutzen für den Empfänger, die Respektierung der Wünsche und der Kompetenz des Empfängers, einheitliche Qualitätsstandards sowie die effektive Kommunikation zwischen Spender und Empfänger. Bernd Pastors lobte die Initiative des GPHF und würdigte die offene und faire Diskussion aller Beteiligten im Rahmen der Erarbeitung der gemeinsamen Erklärung. Stellvertretend für die Unterzeichner rief er auch weitere Organisationen dazu auf, der Erklärung beizutreten.

Albert Petersen von der DIFÄM-Arzneimittelhilfe sprach von einem Meilenstein, der mit der Erklärung erreicht worden sei, denn alle Unterzeichner hätten sich einvernehmlich zu hohen Standards der Arzneimittelspendenpraxis verpflichtet. Eindringlich erläutert er den Schaden, der in der Vergangenheit durch “gut gemeinte, aber schlecht gemachte” Arzneimittelspenden entstanden sei. Vielfach seien Medikamente gespendet worden, die vor Ort nicht benötigt wurden und dann mit enormen Aufwand hätten entsorgt werden müssen. Für das Deutsche Rote Kreuz unterstrich Hans-Heinrich Schäfer in Bonn den Wert des neuen GPHF-Projekts und kündigte an, Nachfragen nach Arzneimittelspenden seiner Organisation in Zukunft nur noch über den GPHF zu tätigen. Auch die zahlreich anwesenden Vertreter pharmazeutischer Unternehmen erklärten, dass mit dem Projekt “Arzneimittelnothilfe” aus Sicht des potentiellen Spenders ein sehr hilfreiches und praktisches Instrumentarium zur Verfügung gestellt wird.


Hans-Heinrich Schäfer kündigte für das DRK an, Anfragen nach Arzneimittelspenden nur noch über den GPHF zu tätigen.

Koordination hat sich im Kosovo und der Türkei bewährt
Der GPHF berichtete im Rahmen der Projektvorstellung, dass sich eine Koordination von Arzneimittelspenden im Rahmen des Kosovo-Konfliktes wie auch bei der Erdbebenkatastrophe 1999 in der Türkei bereits bewährt habe. Auf Anfrage des Bundesministeriums für Gesundheit hatte der GPHF seinerzeit internationalen Hilfsorganisationen innerhalb kurzer Zeit dringend benötigte Arzneimittelspenden seiner Mitgliedsunternehmen im Millionenwert zur Verfügung stellen können. Es habe sich in diesen Fällen gezeigt, dass eine zentrale Stelle, die sowohl Anfragen und Bedarfslisten entgegennimmt als auch Angebote von Spendern weiterleitet, für alle Beteiligten Vorteile bringe. So könnte das mitunter zeitaufwendige Recherchieren des richtigen Ansprechpartners in einem Unternehmen zukünftig entfallen und die notwendige Einholung ergänzender Informationen zu Spendenanfragen könnte durch eine zentrale Stelle übernommen werden.

Formulare sollen Kommunikation standardisieren und erleichtern
Auf Basis der Erfahrungen im Kosovo und in der Türkei und in Abstimmung mit Arzneimittelherstellern wie den Unterzeichnern der Gemeinsamen Erklärung hat der GPHF Formulare entwickelt, die die arzneimittelspezifische Kommunikation standardisieren und damit erleichtern sollen. Für die Nachfrage nach einer Arzneimittelspende, für das Angebot einer Spende sowie für die Selbstauskunft einer anfragenden Hilfsorganisation zum Einsatzzweck der Arzneimittelspende steht jeweils ein gesondertes Formular zur Verfügung. Koordiniert werden sollen Anfragen und Angebote in der Geschäftsstelle des GPHF durch den Apotheker Dr. Richard Jähnke, der maßgeblich an der Entwicklung des gesamten Projektes beteiligt war. Zu den jüngsten Naturkatastrophen in El Salvador und Indien erreichten den GPHF im übrigen keine Anfragen um Arzneimittelspenden aus Deutschland, da eine schnelle Bereitstellung durch die in diesen Regionen vertretenen Tochtergesellschaften der pharmazeutischen Unternehmen direkt in die Krisengebiete ermöglicht worden ist.

Alle Informationen auch im Internet
Um das Angebot einer Koordinierung von Arzneimittelspenden möglichst vielen Interessenten zugänglich zu machen, stehen ab sofort alle Informationen zu dem GPHF-Projekt “Arzneimittelnothilfe” im Internet auf der GPHF-Homepage zur Verfügung. Neben den Formularen sind hier auch eine ausführliche Projektbeschreibung, die Erklärung “Gute Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland”, Informationen über die Leitlinien für Arzneimittelspenden der Weltgesundheitsorganisation, Hintergrundinformationen zu rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen von Arzneimittelspenden sowie Kontaktadressen hinterlegt.

Durch das Projekt „Koordination von Arzneimittelspenden im Falle humanitärer Notsituationen“ will der GPHF in enger Zusammenarbeit mit Ministerien und international tätigen Hilfsorganisationen einen Beitrag leisten, dass die Arzneimittelspenden schnell, unmittelbar, in hoher Qualität und sachgerechter Form den Opfern von Naturkatastrophen, Hungersnöten, Kriegen und vergleichbaren Ereignissen zur Verfügung gestellt werden können. Der GPHF weisst darauf hin, dass über den Kreis der im GPHF und VFA organisierten Unternehmen hinaus selbstverständlich auch weitere Arzneimittelhersteller auf die Koordinierungsstelle “Arzneimittelnothilfe” zurückgreifen können.

Die Koordinierungsstelle “Arzneimittelnothilfe” ist unter der Adresse der GPHF-Geschäftsstelle, Postfach 150 123, 60061 Frankfurt am Main. Telefon / Telefax: 0 69 - 63 15 32 57, E-Mail: info@gphf.org, zu erreichen.

b_top.gif (757 bytes)

 

GPHF fördert neue Projekte in Südafrika und Russland

Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung bzw. dem Bundesgesundheitsministerium

Der Vorstand des GPHF hat beschlossen, zukünftig zwei neue Projekte in der Republik Südafrika und in Russland zu fördern. In Südafrika wird der GPHF mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zusammenarbeiten. Unter dem Titel “Challenge The Future” zielt die Zusammenarbeit darauf, präventiv gegen die hohe Zahl ungewollter Teenagerschwangerschaften und die HIV/AIDS Pandemie vorzugehen. Ziel ist es, innerhalb von zwölf Monaten nahezu 200.000 Jugendliche in Soweto über HIV/AIDS, Sexualität und Verhütung zu informieren und zu verantwortungsvollem sicherem Sexualverhalten zu erziehen. Im Anschluss soll das Projekt auf weitere Gebiete Südafrikas ausgedehnt werden. Erstmals wird sich der GPHF auch in einem der Nachfolgestaaten der Sowjetunion engagieren. Auf Anfrage des Bundesministeriums für Gesundheit hat der GPHF einem Dringlichkeitsantrag zugestimmt, ein Projekt zur Kontrolle der Lungentuberkulose im Gebiet von Saratow an der Wolga zu unterstützen. Die Tuberkulose hat sich in Russland in den vergangenen Jahren epidemieartig ausgebreitet und bedroht vor allem unterprivilegierte Bevölkerungsschichten in vielen Regionen des Landes. Der GPHF wird schwerpunktmäßig die Standardausstattung eines Labors mit Material für die Sputumuntersuchungen im Projektgebiet finanzieren. Neben dem Bundesgesundheitsministerium sind das Auswärtige Amt, die Weltgesundheitsorganisation sowie die Johanniter International (JOIN) als Partner in dem Projekt beteiligt.

Eine ausführliche Darstellung beider Projekte folgt in der nächsten Ausgabe der GPHF News.


Arzneimittelspenden sind in Katastrophenfällen oftmals unverzichtbar. Der GPHF bietet jetzt die Koordination von Arzneimittelspenden zwischen Spendern und Empfängern im Falle humanitärer Notsituationen an. (Bild: dpa)

b_top.gif (757 bytes)

 

www.gphf.org – GPHF mit neuer Site im Internet

Der GPHF stellt sich und seine Projekte jetzt auf seiner völlig neu gestalteten Homepage www.gphf.org im Internet vor. Breiten Raum auf der Site nehmen insbesondere das GPHF-Minilab® sowie das neue GPHF-Projekt Arzneimittelnothilfe ein.

b_top.gif (757 bytes)

 

Gute Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland

Gemeinsame Erklärung des German Pharma Health Fund e.V. (GPHF), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (DIFÄM) und des Deutschen Medikamenten-Hilfswerkes action medeor e.V.

Arzneimittelspenden werden sowohl in Situationen der Not- und Katastrophenhilfe als auch im Rahmen regulärer Entwicklungshilfe weltweit in großem Umfang zur Verfügung gestellt. Auch wenn das Gros der gespendeten Arzneimittel in aller Regel von hoher Qualität ist und dem Bedarf vor Ort entspricht, so kommt es insbesondere bei Hilfslieferungen in Gebiete des akuten Notstands immer wieder vor, dass Arzneimittel verschiedenster Herkunft gespendet werden, die vor Ort nicht eingesetzt werden können und die dann mit hohem Aufwand entsorgt werden müssen.

Nicht zuletzt deshalb haben auf Initiative des German Pharma Health Fund e.V. (GPHF) Repräsentanten von Organisationen und Einrichtungen, die in Deutschland mit Arzneimittelspenden befasst sind, im Rahmen gemeinsamer Gespräche diese Problematik aus deutscher Perspektive eingehend erörtert. Die oben genannten Organisationen von Seiten der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland, einer internationalen Nichtregierungsorganisation, einer weltweit tätigen kirchlichen Arzneimittelhilfe der ärztlichen Mission und einer gemeinnützigen Organisation der Arzneimittelversorgung für Entwicklungsländer und Nichtregierungsorganisationen haben sich auf einen Konsens für Arzneimittelspenden verständigt.

Die Unterzeichner dieser Gemeinsamen Erklärung verpflichten sich, ...
1. ... Arzneimittelspenden für humanitäre Zwecke in Deutschland ausschließlich nach den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1999 veröffentlichten „Revised-Guidelines for Drug Donations“ anzufordern, anzubieten und zur Verfügung zu stellen.
2. ... die Prinzipien für angemessene Arzneimittelspenden – maximaler Nutzen für den Empfänger, Respektierung der Wünsche und der Kompetenz des Empfängers, einheitliche Qualitätsstandards sowie effektive Kommunikation zwischen Spender und Empfänger – zu befolgen.
3. ... einen gemeinsamen und kontinuierlichen Beitrag zur Verbesserung der Praxis der Arzneimittelspenden in Deutschland zu leisten.
4. ... in ihren eigenen Kreisen und darüber hinaus zur weiteren Bekanntmachung der „Richtlinien für Arzneimittelspenden“ der WHO in Deutschland aktiv beizutragen.
5. ... weitere Organisationen, Einrichtungen und Unternehmen, die mit Arzneimittelspenden befasst sind, für die Befolgung der „Guten Arzneimittelspenden-Praxis“ (Good Drug Donation Practice – GDDP) auf Grundlage der WHO-Guidelines und zur Unterzeichung dieses Konsenspapiers zu gewinnen.

Frankfurt am Main, im Mai 2000

b_top.gif (757 bytes)