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GPHF NEWS I /
2001

Arzneimittelnothilfe:
GPHF bietet Koordination von Arzneimittelspenden an
Projekt wurde in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert / Gemeinsame Erklärung zur guten
Arzneimittelspendenpraxis vorgestellt
Der German Pharma Health Fund bietet die Koordination von Arzneimittelspenden im Falle akuter humanitärer
Notsituationen an. Ziel des neuen Projektes “Arzneimittelnothilfe” ist es, im Falle von Naturkatastrophen,
Kriegen oder vergleichbaren Notsituationen, die kurzfristig zu einem unvorhergesehenen Bedarf von
Arzneimittel führen, schnell und unbürokratisch den Kontakt zwischen Hilfsorganisationen bzw. Ministerien und
Arzneimittelherstellen herzustellen. Auf Basis von konkreten Bedarfslisten der Hilfsorganisationen wird der GPHF
gezielt die Hersteller ansprechen, die die benötigten Medikamente auch tatsächlich zur Verfügung stellen können.
Hilfsorganisationen steht damit ein zentraler Ansprechpartner zur Verfügung, der Anfragen bündeln und
Nachfrage ebenso wie Angebot koordinieren kann.
Im Rahmen der Projektvorstellung im Wissenschaftszentrum Bonn wies Dr. Carola Fink-Anthe, Vorstandsmitglied
des GPHF, vor Vertretern von Hilfsorganisationen, Arzneimittelherstellern und Medien darauf hin, dass sich das
neue Angebot des GPHF als Dienstleistung versteht. Sowohl die Entscheidung eines Herstellers,
Arzneimittel zu spenden als auch die Entscheidung einer Hilfsorganisation, eine Arzneimittelspende anzunehmen,
bleibt von dem zukünftigen Angebot des GPHF unberührt. Ziel ist es allein,
schnell den Kontakt zwischen Arzneimittelherstellern und Hilfsorganisationen
herzustellen und die Anfragen nach Spenden gezielt und mitauf qualitativ hohem Standard in die richtigen
Kanäle zu lenken.
Dr. Fink-Anthe stellte ferner klar, dass sich eine Koordination von
Arzneimittelspenden durch den GPHF nur auf akute humanitäre Notsituationen
beschränkt. Eine Bearbeitung von Anfragen nach Arzneimittelspenden, etwa im Rahmen langfristiger
Entwicklungshilfeprojekte, sei vom GPHF nicht zu leisten. Ferner sei
unabdingbar, dass auch die Hilfsorganisationen die Voraussetzungen erfüllen,
um die als Spende zur Verfügung gestellten Arzneimittel in das jeweilige Einsatzgebiet expedieren und
sachgemäß einsetzen zu können.

Sie stellen das Projekt „Arzneimittelnothilfe“ der Öffentlichkeit vor (v.l.n.r.):
H.-H. Schäfer (DRK), A. Petersen (DIFÄM), Dr. G. Küster und Dr. C. Fink-Anthe
(GPHF) sowie B. Pastors (action medeor).
Gemeinsame Erklärung zur
Spendenpraxis vorgestellt
In Bonn wurde durch Bernd Pastors, Geschäftsführer der action medeor, auch die Erklärung “Gute
Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland” vorgestellt, die im vergangenen Jahr vom
GPHF gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) und
dem Deutschen Medikamenten-Hilfswerk action medeor e.V. erarbeitet wurde. In enger Anlehnung an die
Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation definiert sie als Maßgaben einer
guten Arzneimittelspendenpraxis: einen maximalen Nutzen für den Empfänger,
die Respektierung der Wünsche und der Kompetenz des Empfängers, einheitliche Qualitätsstandards
sowie die effektive Kommunikation zwischen Spender und Empfänger. Bernd Pastors lobte die
Initiative des GPHF und würdigte die offene und faire Diskussion aller
Beteiligten im Rahmen der Erarbeitung der gemeinsamen Erklärung.
Stellvertretend für die Unterzeichner rief er auch weitere Organisationen dazu auf, der
Erklärung beizutreten.
Albert Petersen von der DIFÄM-Arzneimittelhilfe sprach von einem
Meilenstein, der mit der Erklärung erreicht worden sei, denn alle Unterzeichner
hätten sich einvernehmlich zu hohen Standards der Arzneimittelspendenpraxis
verpflichtet. Eindringlich erläutert er den Schaden, der in der
Vergangenheit durch “gut gemeinte, aber schlecht gemachte” Arzneimittelspenden
entstanden sei. Vielfach seien Medikamente gespendet worden, die vor Ort nicht benötigt wurden und dann mit
enormen Aufwand hätten entsorgt werden müssen. Für das Deutsche Rote Kreuz unterstrich Hans-Heinrich Schäfer
in Bonn den Wert des neuen GPHF-Projekts und kündigte an, Nachfragen nach Arzneimittelspenden seiner
Organisation in Zukunft nur noch über den GPHF zu tätigen. Auch die zahlreich
anwesenden Vertreter pharmazeutischer Unternehmen erklärten, dass mit dem Projekt “Arzneimittelnothilfe” aus
Sicht des potentiellen Spenders ein sehr hilfreiches und praktisches
Instrumentarium zur Verfügung gestellt wird.

Hans-Heinrich Schäfer kündigte für das DRK an, Anfragen nach
Arzneimittelspenden nur noch über den GPHF zu tätigen.
Koordination hat sich im
Kosovo und der Türkei bewährt
Der GPHF berichtete im Rahmen der Projektvorstellung, dass sich eine
Koordination von Arzneimittelspenden im Rahmen des Kosovo-Konfliktes wie auch bei der Erdbebenkatastrophe 1999
in der Türkei bereits bewährt habe. Auf Anfrage des Bundesministeriums für
Gesundheit hatte der GPHF seinerzeit internationalen Hilfsorganisationen innerhalb
kurzer Zeit dringend benötigte Arzneimittelspenden seiner
Mitgliedsunternehmen im Millionenwert zur Verfügung stellen können. Es habe
sich in diesen Fällen gezeigt, dass eine zentrale Stelle, die sowohl
Anfragen und Bedarfslisten entgegennimmt als auch Angebote von Spendern weiterleitet, für alle
Beteiligten Vorteile bringe. So könnte das mitunter zeitaufwendige
Recherchieren des richtigen Ansprechpartners in einem Unternehmen zukünftig
entfallen und die notwendige Einholung ergänzender Informationen zu
Spendenanfragen könnte durch eine zentrale Stelle übernommen werden.
Formulare sollen Kommunikation standardisieren und erleichtern
Auf Basis der Erfahrungen im Kosovo und in der Türkei und in Abstimmung mit Arzneimittelherstellern wie den
Unterzeichnern der Gemeinsamen Erklärung hat der GPHF Formulare entwickelt,
die die arzneimittelspezifische Kommunikation standardisieren und damit erleichtern sollen. Für die
Nachfrage nach einer Arzneimittelspende, für das Angebot einer Spende sowie für
die Selbstauskunft einer anfragenden Hilfsorganisation zum Einsatzzweck der Arzneimittelspende steht jeweils
ein gesondertes Formular zur Verfügung. Koordiniert werden sollen Anfragen und Angebote in der Geschäftsstelle
des GPHF durch den Apotheker Dr. Richard Jähnke, der maßgeblich an der Entwicklung des gesamten
Projektes beteiligt war. Zu den jüngsten Naturkatastrophen in El Salvador und
Indien erreichten den GPHF im übrigen keine Anfragen um Arzneimittelspenden aus Deutschland, da eine schnelle
Bereitstellung durch die in diesen Regionen vertretenen
Tochtergesellschaften der pharmazeutischen Unternehmen direkt in die Krisengebiete
ermöglicht worden ist.
Alle Informationen auch im Internet
Um das Angebot einer Koordinierung von Arzneimittelspenden möglichst vielen Interessenten zugänglich zu
machen, stehen ab sofort alle Informationen zu dem GPHF-Projekt
“Arzneimittelnothilfe” im Internet auf der GPHF-Homepage zur Verfügung.
Neben den Formularen sind hier auch eine ausführliche Projektbeschreibung, die
Erklärung “Gute Arzneimittelspendenpraxis in Deutschland”, Informationen
über die Leitlinien für Arzneimittelspenden der
Weltgesundheitsorganisation, Hintergrundinformationen zu rechtlichen und steuerlichen
Rahmenbedingungen von Arzneimittelspenden sowie Kontaktadressen hinterlegt.
Durch das Projekt „Koordination von Arzneimittelspenden im Falle humanitärer
Notsituationen“ will der GPHF in enger Zusammenarbeit mit Ministerien und international tätigen
Hilfsorganisationen einen Beitrag leisten, dass die Arzneimittelspenden schnell,
unmittelbar, in hoher Qualität und sachgerechter Form den Opfern von
Naturkatastrophen, Hungersnöten, Kriegen und vergleichbaren Ereignissen zur
Verfügung gestellt werden können. Der GPHF weisst darauf hin, dass über den
Kreis der im GPHF und VFA organisierten Unternehmen hinaus selbstverständlich
auch weitere Arzneimittelhersteller auf die Koordinierungsstelle “Arzneimittelnothilfe” zurückgreifen
können.
Die Koordinierungsstelle “Arzneimittelnothilfe” ist unter der Adresse der GPHF-Geschäftsstelle,
Postfach 150 123, 60061 Frankfurt am Main. Telefon / Telefax: 0 69 - 63 15 32
57, E-Mail: info@gphf.org, zu erreichen.

GPHF fördert neue Projekte in Südafrika und
Russland
Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung bzw. dem Bundesgesundheitsministerium
Der Vorstand des GPHF hat beschlossen, zukünftig zwei neue Projekte in der Republik Südafrika und in
Russland zu fördern. In Südafrika wird der GPHF mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zusammenarbeiten.
Unter dem Titel “Challenge The Future” zielt die Zusammenarbeit darauf, präventiv gegen die hohe Zahl
ungewollter Teenagerschwangerschaften und die HIV/AIDS Pandemie vorzugehen. Ziel ist es, innerhalb von zwölf
Monaten nahezu 200.000 Jugendliche in Soweto über HIV/AIDS, Sexualität und Verhütung zu informieren und zu
verantwortungsvollem sicherem Sexualverhalten zu erziehen. Im Anschluss soll das Projekt auf weitere
Gebiete Südafrikas ausgedehnt werden. Erstmals wird sich der GPHF auch in einem der Nachfolgestaaten der
Sowjetunion engagieren. Auf Anfrage des Bundesministeriums für Gesundheit hat der GPHF einem
Dringlichkeitsantrag zugestimmt, ein Projekt zur Kontrolle der Lungentuberkulose
im Gebiet von Saratow an der Wolga zu unterstützen. Die Tuberkulose hat sich in Russland in den vergangenen
Jahren epidemieartig ausgebreitet und bedroht vor allem unterprivilegierte Bevölkerungsschichten in vielen
Regionen des Landes. Der GPHF wird schwerpunktmäßig die Standardausstattung eines Labors mit Material für
die Sputumuntersuchungen im Projektgebiet finanzieren. Neben dem Bundesgesundheitsministerium sind
das Auswärtige Amt, die Weltgesundheitsorganisation sowie die Johanniter International (JOIN) als Partner in
dem Projekt beteiligt.
Eine ausführliche Darstellung beider Projekte folgt in der nächsten Ausgabe der GPHF News.

Arzneimittelspenden sind in
Katastrophenfällen oftmals unverzichtbar. Der GPHF bietet jetzt die
Koordination von Arzneimittelspenden zwischen Spendern und Empfängern im Falle humanitärer
Notsituationen an. (Bild: dpa)

www.gphf.org – GPHF mit neuer Site im
Internet
Der GPHF stellt sich und seine Projekte jetzt auf seiner völlig neu
gestalteten Homepage www.gphf.org im Internet vor. Breiten Raum auf der Site
nehmen insbesondere das GPHF-Minilab® sowie das neue GPHF-Projekt Arzneimittelnothilfe ein.

Gute Arzneimittelspendenpraxis in
Deutschland
Gemeinsame Erklärung des German Pharma Health Fund e.V. (GPHF), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (DIFÄM) und
des Deutschen Medikamenten-Hilfswerkes action medeor e.V.
Arzneimittelspenden werden sowohl in Situationen der Not- und Katastrophenhilfe als auch im
Rahmen regulärer Entwicklungshilfe weltweit in großem Umfang zur Verfügung gestellt. Auch wenn
das Gros der gespendeten Arzneimittel in aller Regel von hoher Qualität ist und dem Bedarf vor Ort
entspricht, so kommt es insbesondere bei Hilfslieferungen in Gebiete des akuten Notstands immer
wieder vor, dass Arzneimittel verschiedenster Herkunft gespendet werden, die vor Ort nicht
eingesetzt werden können und die dann mit hohem Aufwand entsorgt werden müssen.
Nicht zuletzt deshalb haben auf Initiative des German Pharma Health Fund e.V. (GPHF) Repräsentanten
von Organisationen und Einrichtungen, die in Deutschland mit Arzneimittelspenden befasst
sind, im Rahmen gemeinsamer Gespräche diese Problematik aus deutscher Perspektive eingehend
erörtert. Die oben genannten Organisationen von Seiten der forschenden Arzneimittelhersteller in
Deutschland, einer internationalen Nichtregierungsorganisation, einer weltweit tätigen kirchlichen
Arzneimittelhilfe der ärztlichen Mission und einer gemeinnützigen Organisation der
Arzneimittelversorgung für Entwicklungsländer und Nichtregierungsorganisationen haben sich auf einen
Konsens für Arzneimittelspenden verständigt.
Die Unterzeichner dieser Gemeinsamen Erklärung verpflichten sich, ...
1. ... Arzneimittelspenden für humanitäre Zwecke in Deutschland ausschließlich
nach den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1999 veröffentlichten „Revised-Guidelines for Drug Donations“ anzufordern, anzubieten und zur Verfügung
zu stellen.
2. ... die Prinzipien für angemessene Arzneimittelspenden – maximaler Nutzen für den
Empfänger, Respektierung der Wünsche und der Kompetenz des Empfängers,
einheitliche Qualitätsstandards sowie effektive Kommunikation zwischen Spender und Empfänger – zu befolgen.
3. ... einen gemeinsamen und kontinuierlichen Beitrag zur Verbesserung der Praxis
der Arzneimittelspenden in Deutschland zu leisten.
4. ... in ihren eigenen Kreisen und darüber hinaus zur weiteren Bekanntmachung der
„Richtlinien für Arzneimittelspenden“ der WHO in Deutschland aktiv beizutragen.
5. ... weitere Organisationen, Einrichtungen und Unternehmen, die mit
Arzneimittelspenden befasst sind, für die Befolgung der „Guten Arzneimittelspenden-Praxis“
(Good Drug Donation Practice – GDDP) auf Grundlage der WHO-Guidelines und zur Unterzeichung dieses Konsenspapiers zu gewinnen.
Frankfurt am Main, im Mai 2000

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