GPHF NEWS I / 2006

- „Ohne Strom, ohne sanitäre Anlagen und ohne fließendes Wasser“
- Hilfe für 500.000 Menschen angelaufen
- GPHF entwickelt Test für Tamiflu®
- Handbuch für indische Pharmazeuten
- Celesio, die Ärzte für die Dritte Welt und das GPHF-Minilab®
- Weitere acht Minilabs nach Afrika ausgeliefert
- Minilab-Training auf den Philippinen
- GPHF unterstützt Manual des BKK
- Siegfried Knecht neuer GPHF-Vorsitzender
- WHO empiehlt GPHF-Minilab®
- Dank an Spender
- Wyeth Pharma neues Mitglied im GPHF

 

„Ohne Strom, ohne sanitäre Anlagen und ohne fließendes Wasser“

Ein Erfahrungsbericht aus der Rolling Clinic Calcutta

Seit Ende des vergangenen Jahres unterstützt der GPHF die Rolling Clinic Calcutta der in Frankfurt am Main ansässigen Hilfsorganisation Ärzte für die Dritte Welt. Dies ist eines der beiden Projekte, deren Unterstützung der GPHF aus Anlass seines 20jährigen Bestehens im vergangenen Jahr beschlossen hat.

Beispielhafte Arbeit leisten die Ärzte für die Dritte Welt in der indischen Metropole Kalkutta.

In Kalkutta leisten die Ärzte für die Dritte Welt, in der Regel deutsche Mediziner, die einen Teil ihres Jahresurlaubs unentgeltlich in den Hilfsprojekten verbringen, Basisgesundheitsdienste für die Menschen, die weder vom privaten noch vom staatlichen indischen Gesundheitssystem erreicht werden.

Der deutsche Mediziner Dr. Heiner Laube, Internist, Diabetes-Experte und lange Jahre Professor am Zentrum für Innere Medizin des Uniklinikums Giessen, ist seit drei Jahren einer dieser Ärzte. Als sogenannter ärztlicher Mitarbeiter war er jetzt mehrere Wochen in der Rolling Clinic am Rande der 15-Millionenstadt Kalkutta tätig. In der Giessener Allgemeinen Zeitung vom 27. Mai 2006 berichtet er sehr anschaulich über seine Erfahrungen in Indien, das er vor 42 Jahren erstmals besuchte.

Nach Laubes Einschätzung ist Indien mit über einer Milliarde Einwohner von dramatischen Veränderungen gekennzeichnet, die vor allem die Großstädte betreffen. Paradox sei insbesondere die Lage des Gesundheitssystems. Einerseits gäbe es einen staatlichen Sektor, der eine im Prinzip kostenlose Versorgung anbietet, aber völlig überlastet sei. Andererseits einen privat–ärztlichen Bereich, in dem acht von zehn Ärzten tätig sind, den sich aber die große Mehrheit der Bevölkerung schlicht nicht leisten kann. So sind dann in den großen Städten über 20.000 indische Mediziner arbeitslos, während auf dem Lande und am Rand der großen Städte keine bzw. keine bezahlbare medizinische Versorgung existiert.

85 Prozent der Bevölkerung fehlt letztlich der Zugang zu sanitären Einrichtungen und mehr als 380 Millionen Inder leben unterhalb der Armutsgrenze.

Auch die Behandlungsmöglichkeiten der Rolling Clinic sind vor diesem Hintergrund und nach unseren Maßstäben naturgemäß begrenzt, wenngleich sie für die täglich ca. 120 bis 150 Patienten ein Segen sind. Rund 40 Medikamente stehen als Basisausstattung zur Verfügung. Auf moderne Apparatemedizin kann nicht zurückgegriffen werden. Nur in Notfällen kann eine Klinik aufgesucht werden und auch nur dann, wenn eine Hilfsorganisation die Kosten der Behandlung trägt.

Dengue-Fieber, Lepra, Malaria und Meningitis lauten die Herausforderungen, denen sich Ärzte und Patienten in Kalkutta zu stellen haben. Auch Masern kommen nach Laubes Beobachtungen sehr häufig vor. Sie verlaufen zudem schwerer als in Deutschland. Grund ist der virulente Vitamin-A-Mangel. Das Hauptproblem ist jedoch die grassierende Tuberkulose. Jeden Tag habe man neue Fälle diagnostizieren müssen. Auch die wachsende Zahl der HIV/AIDS-Infektionen bereite zunehmend Probleme. Als wenn dies alles nicht ausreichen würde, zählt Laube auch noch Tetanus, Tollwut, Diphtherie und Rachitis als endemisch auf. Alleine an der Tollwut sterben in Indien Jahr für Jahr bis zu 30.000 Menschen.

Asthma und chronische Bronchitis – vielfach durch die Luftverschmutzung begünstigt – stellen für viele Einheimische ebenfalls schwerwiegende Gesundheitsprobleme dar. Erschütternd sind auch die Fakten die Laube in Bezug auf Kinder und Säuglinge nennt: Mehr als die Hälfte der Kinder sind fehl- und unterernährt und die Säuglingssterblichkeit sei fünfmal so hoch wie in Deutschland.

Düstere Perspektiven sieht der Diabetologe schließlich für sein eigenes Fachgebiet, denn Indien ist das Land, mit der weltweit schnellsten Zunahme der Zuckerkrankheit. Heute leiden nach Laubes Worten in Indien bereits ca. 35 Millionen Menschen an Diabetes. In den nächsten 25 Jahren wird eine Zunahme auf bis zu 80 Millionen erwartet. Diabetes betreffe dabei zunehmend auch die Armen, von denen eine lebenslange Insulinbehandlung schlicht nicht zu finanzieren sei.

Erstaunlich ist es, dass der „Arzt für die Dritte Welt“ bei all dem seinen Optimismus nicht verliert. Die Giessener Allgemeine zitiert ihn abschließend mit den Worten:„Die Arbeit in der Megastadt Kalkutta ist eine Herausforderung. Sie ist aber auch eine menschlich und ärztlich bereichernde und erlebnisreiche Zeit.... Was man an persönlichen Erfahrungen mit nach Hause nimmt, ist weit mehr, als man zu geben vermocht hat.“

Der GPHF unterstützt die Rolling Clinic Calcutta und den Einsatz der Ärzte für die Dritte Welt in Indien u.a. durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für den Kauf von Medikamenten, für Laboruntersuchungen und Krankenhausaufenthalte sowie zur Bezahlung der einheimischen Mitarbeiter des Projektes.

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GPHF-Jubiläumsprojekt Äthiopien:

Hilfe für 500.000 Menschen angelaufen

Ende vergangenen Jahres hat der GPHF aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens die Unterstützung des Attat-Krankenhauses in Äthiopien beschlossen. Zwischenzeitlich wurde die entsprechende Vereinbarung mit dem Projektpartner Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ unterzeichnet und die Projektmittel für das Jahr 2006 durch den GPHF zur Verfügung gestellt. Träger des Projektes vor Ort ist das Bischöfliche Hilfswerk Misereor.

Stellvertretend für den GPHF übergab Cornelia Yzer vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (2. v.r.) den Scheck an die Geschäftsführerin von „Ein Herz für Kinder“, Martina Krüger (2. v.l.). Rechts der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Professor Josef Sayer, am linken Bildrand Worku Erge, der gesandte der Äthiopischen Botschaft in Berlin.

Das Attat-Krankenhaus liegt 150 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, in der Region Gurage. Es wurde 1969 durch die Missionsärztlichen Schwestern gegründet, um der Bevölkerung dieser dicht besiedelten Region Äthiopiens eine bezahlbare oder kostenlose medizinische Hilfe zu ermöglichen. Die Behandlung in einem staatlichen Krankenhaus in Addis Abeba ist für die meisten Einwohner dieser Region unerschwinglich.

Mit rund einhundert Betten und einer eigenen Entbindungsstation ist das Krankenhaus für die gesundheitliche Versorgung von rund einer halben Million Menschen verantwortlich. Um dies zu gewährleisten, wird vom Krankenhaus ein spezielles Basisgesundheitsprogramm für die Region organisiert, das auch die Verbesserung der Wasserversorgung umfasst.

Der GPHF finanziert in den kommenden zwei Jahren sämtliche Gehälter der Mitarbeiter des Basisgesundheitsprogramms, Aus- und Weiterbildungsprogramme für das Krankenhauspersonal, mehrere Fahrzeuge sowie Pumpen für die Wasserversorgung.

Im Rahmen der Unterzeichnung der Projektvereinbarung in Berlin erklärte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des VFA: „Wir sind froh, mit „Ein Herz für Kinder“ und Misereor zwei erfahrene und renommierte Partner für die Unterstützung des Attat-Krankenhauses gefunden zu haben. Wir hoffen sehr, dass unsere gemeinsame Hilfe in den kommenden beiden Jahren maßgeblich zur weiteren Verbesserung der Gesundheitsversorgung in dieser Region Äthiopiens beitragen wird.“ Neben Yzer nahmen an der Unterzeichnung der Projektvereinbarung die Geschäftsführerin von Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“, Martina Krüger, der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, Professor Josef Sayer, sowie Siegfried Knecht, Vorsitzender des GPHF, und Worku Erge, der Gesandte der Äthiopischen Botschaft in Berlin, teil.

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GPHF entwickelt Test für Tamiflu®

An weit über 200 Orten der Erde wird mit dem Minilab des GPHF mittlerweile die Qualität von Arzneimitteln untersucht.

Gemeinsam mit dem amerikanischen Arzneibuchbüro USP entwickelt der GPHF für sein Minilab jetzt Testmethoden für Oseltamivir (Tamiflu®), das derzeit einzig zur Verfügung stehende orale Arzneimittel gegen Vogelgrippe. Hintergrund ist die weltweit große Nachfrage nach dem Medikament, die wiederum zu eine Vielzahl von Fälschungen des Originalpräparates geführt hat, die in jüngster Zeit über das Internet angeboten wurden. Noch im Verlauf des Jahres werden die Methoden zur Verfügung stehen und können dann in das Minilab integriert werden. Bereits jetzt kann die Qualität von mehr als 40 Arzneimittelwirkstoffen mit dem GPHF-Minilab® untersucht werden.

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Handbuch für indische Pharmazeuten

Für das Handbuch „Guiding Principles For Pharmacists on HIV/AIDS in India“ des internationalen Apothekerverbandes FIP verfasst der GPHF das Kapitel „Protection Against Counterfeit Antiretrovirals“. Das Handbuch soll zum 66. FIP-Weltkongress im August in Brasilien vorliegen und im Anschluss an rund eine halbe Million Apotheker in Indien verteilt werden.

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Celesio, die Ärzte für die Dritte Welt und das GPHF-Minilab®

Seit Ende 2004 ist die Celesio AG, einer der führenden europäischen Arzneimittelgroßhändler mit Sitz in Stuttgart, der Hilfsorganisation Ärzte für die Dritte Welt partnerschaftlich verbunden. In diesem Zusammenhang spendet Celesio nicht nur Geld, sondern unterstützt die Ärzte für die Dritte Welt u.a. auch durch Logistik und Personal.

Teil dieser Partnerschaft ist auch das GPHF-Minilab®, das im Rahmen von drei Gesundheitsprojekten der Ärzte für die Dritte Welt in Kalkutta, Nairobi und auf Mindanao (Philippinen) eingesetzt wird: Der GPHF schulte in Deutschland Mitarbeiter von Celesio im Gebrauch der Testmethoden, die dann wiederum in den Gesundheitsprojekten der Ärzte für die Dritte Welt mit den Minilabs die Arzneimittelqualität überwachen.

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Weitere acht Minilabs nach Afrika ausgeliefert

Die weltweite Nachfrage nach dem GPHF-Minilab® hält unvermindert an. Weitere acht der mobilen Kompaktlabore wurden jetzt nach Kenia, Tansania, Tschibuti, Somalia und in den Senegal ausgeliefert. Sie sollen die Arzneimittelqualität u.a. in kirchlichen Krankenhäusern und im Rahmen von Gesundheitsprojekten der Weltgesundheitsorganisation untersuchen.

Insgesamt befinden sich mittlerweile 210 Minilabs im Einsatz. Einsatzgebiete sind vor allem Afrika und Südostasien. Zu den zahlreichen Interessenten für das Minilab zählt u.a. auch eine private Ölfirma aus Papua-Neuguinea, die plant, das Kompaktlabor im Rahmen eigener Gesundheitsprojekte zur Diagnose und Therapie der vor Ort weit verbreiteten Malaria einzusetzen.

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Minilab-Training auf den Philippinen

Im August wird der GPHF ein weiteres Training für den Einsatz des Minilabs durchführen. Trainingsort werden diesmal die Philippinen sein. Das Asian Collaborative Training Network for Malaria, ein Zusammenschluss von elf asiatischen Ländern zur gemeinsam Bekämpfung der Infektionskrankheit, plant zukünftig den Einsatz von vier Minilabs auf den Philippinen und in Indonesien. Zu diesem Zweck ist zunächst eine zentrale Schulung der Mitarbeiter vorgesehen. GPHF-Projektleiter Dr. Richard Jähnke wird das mehrtägige Training persönlich vor Ort leiten.

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GPHF unterstützt Manual des BKK

Sowohl als Mitglied des Beirates als auch durch seine Autorenschaft unterstützt des GPHF das geplante Handbuch „Notfall und Katastrophenpharmazie“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK). Im Rahmen des Kapitels „Pharmazie in der humanitären und internationalen Katastrophenhilfe“ erstellt der GPHF zur Zeit Beiträge zu den Themen Arzneimittelfälschungen und GPHF-Minilab® sowie Kurzinformationen zu tropischen Infektionskrankheiten.

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Siegfried Knecht neuer GPHF-Vorsitzender

Siegfried Knecht, der Leiter der Abteilung Internationales / Länderkoordinierung beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA), ist im März zum neuen Vorsitzenden des GPHF gewählt worden. Knecht ist der insgesamt sechste Vorsitzende des GPHF. Er folgt Dr. Gabriele Küsters (sanofi aventis), die den Verein seit 1999 geführt hatte.

Neben Siegfried Knecht gehören folgende Personen dem Vorstand des GPHF an: Dr. Jürgen Knackmuß (Merck KGaA) als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Dr. Thomas Weber (sanofi aventis) als Schatzmeister und Sven Schmidt (Schering AG).

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WHO empiehlt GPHF-Minilab®

Eine besondere Auszeichnung hat das GPHF-Minilab® durch die Weltgesundheitsorganisation erfahren. Im Fact Sheet No. 275 Counterfeit Medicines (www.who.int/mediacentre/factsheets/fs275/en/) empfehlen die Genfer Gesundheitsexperten die vom GPHF entwickelten Tests zur Aufdeckung gefälschter Arzneimittel nachdrücklich. Unter dem Stichwort New and innovative solutions heißt es u.a.: “New solutions being developed involve technology. Some of these are low tech, such as simple colorimetric (colour) assays developed for artemisinins used successfully to identify fake artesunate antimalarials. The German Pharma Health Fund has developed the ‘Minilab’ for analysing the authenticity of a wide range of essential drugs relatively simply and inexpensively.”

Im Rahmen einer WHO-Konferenz im Februar in Rom hatte GPHF-Projektleiter Dr. Richard Jähnke das Minilab noch einmal internationalen Gesundheitsexperten vorgestellt. Bei den Vertretern aus über 60 Ländern stieß es dabei auf großes Interesse.

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Dank an Spender

Der GPHF dankt folgenden Spendern für die großzügige Unterstützung seiner Projektarbeit in diesem Jahr:

  • ALTANA Pharma AG
  • Boehringer Ingelheim GmbH
  • Celesio AG
  • Hoffmann-La Roche AG
  • Merck KGaA
  • Novartis Behring
  • Procter & Gamble Pharmaceutical Germany GmbH
  • Schering AG
  • Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.
  • Wyeth Pharma GmbH

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Wyeth Pharma neues Mitglied im GPHF

Die Wyeth Pharma GmbH (Münster) ist neues Mitglied im GPHF. Insgesamt gehören dem GPHF damit jetzt 15 pharmazeutische Unternehmen sowie der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. als Mitglieder an.

Die Wyeth Pharma GmbH ist die deutsche Tochtergesellschaft von Wyeth, einem der zehn größten forschenden pharmazeutischen Unternehmen weltweit. Das Unternehmen konzentriert sich auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, Gesundheitsprodukte sowie Tierarzneimittel.

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