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GPHF NEWS III / 2000
Beispielhafter Erfolg des GHPF in Asien:
Bilharziose-Projekt in Laos erweist sich als wirkliches Modell
„Einen so großen Erfolg eines Projektes zur Bekämpfung der Schistosomiasis habe ich noch nie erlebt“, sagt Dr. Lester Chistulo, seit vielen Jahren Experte der Weltgesundheitsorganisation WHO für Schistosomiasis (Bilharziose) und andere parasitäre Tropenkrankheiten. Er war auf Bitte des laotischen Gesundheitsministeriums zusammen mit dem regionalen für Süd-Ostasien zuständigen WHO-Verantwortlichen, Dr. Palmer, in die Landeshauptstadt Vientiane und die Provinz Champassak gereist, um das Ergebnis des langjährigen GPHF-Projekts zur Diagnose und Therapie der Schistosomiasis zu begutachten. Da es sich um den Endpunkt der mit der WHO vereinbarten Projektfinanzierung durch den GPHF handelte, die mit einem internationalen Workshop abschließen sollte, bat die WHO auch um Teilnahme eines GPHF-Vorstandsmitglieds. Dr. Hilmar Kienzl konnte als GPHF-Delegierter somit unmittelbar die Präsentation der Projektergebnisse erleben. Sie wurden sowohl von der obersten Projektleitung Dr. Pholsena, Direktor für Hygiene und Prävention im laotischen Gesundheitsministerium, als auch von im Projektgebiet Champassak tätigen Hospitalärzten und Gesundheitsbeauftragten
vorgestellt.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache
Bei der ersten systematischen Diagnose der Bevölkerung im Projektgebiet 1989 stellte man fest, dass durchschnittlich über 40 Prozent (8,2 bis zu 94 Prozent) der Menschen mit den Schistosomiasis-Erregern infiziert waren. Viele litten an Durchfällen sowie an Gelbsucht mit Bauchkrämpfen und manche starben als Langzeitfolge auch an Leberzirrhose und Gallenwegskarzinom. Dank der hervorragenden Wirkung des Medikamentes Praziquantel, das anfangs alle ein bis zwei Jahre jeweils in einmaliger Massenbehandlung angewendet wurde, einem umfangreichen Aufklärungsprogramm, in das vor allem Schulkinder einbezogen wurden, sowie einem speziellen Präventionstraining für die lokalen Gesundheitseinrichtungen waren 1999 nur noch 0,5 Prozent der Menschen von den Infektionen betroffen.

GPHF-Vorstandsmitglied Dr. Kienzl überzeugt sich vor Ort
bei der betroffenen Bevölkerung von den Erfolgen
des GPHF-Projektes in Laos.
Diese geringe Zahl ergibt sich aus Befallraten von nur noch bis zu 7 Prozent in fünf von 21 kontrollierten Dörfern. 16 Dörfer waren hingegen gänzlich frei von Schistosomiasis mekongi. Auch die besuchten Hospitäler konnten nicht mehr von Patienten mit den typischen Organveränderungen und Beschwerden
berichten.
Damit ist dank der organisatorischen Arbeit der WHO, des engagierten
Einsatzes der Laoten – vom Gesundheitsministerium bis zu den Gesundheitsbeauftragten der Frauenvereinigungen oder den Schullehrern – und der langjährigen finanziellen Förderung durch den GPHF gezeigt worden, dass
Seuchen dieser Art fast ganz zu besiegen sind.

Dank der Unterstützung des GHPF konnte auch
die Versorgung mit Medikamenten im Projektgebiet
entscheidend verbessert werden.
Prävention bleibt notwendig
Das Wort „fast“ weist aber daraufhin, dass die Gefahr eines neuen Aufflammens der Seuche wegen der einfachen Lebensumstände der Bevölkerung keineswegs gebannt ist, sollte der Eifer zur Prävention nachlassen. Träger der Keime sind nämlich auch Hausschweine, welche die stolzen Besitzer unter ihren Pfahlhäusern frei laufen lassen. Diese neuesten
Forschungsergebnisse zeigen, wie komplex das Übertragungsgeschehen tatsächlich ist und dass solche Projekte eigentlich weiter betreut werden müssen, um sie zu einem gesicherten Dauererfolg werden zu lassen.Wie schwierig es jedoch ist, zum Teil jahrhundertealte Gewohnheiten zu ändern, zeigte der nur sporadische Erfolg bei der Therapie der Opisthorchiasis, einer in Häufigkeit und Symptomen ähnlichen, aber weniger schweren parasitären Erkrankung, die alleine durch das Essen von nicht erhitzten Fischen übertragen wird. Sie ist an den Gestaden des Mekong ebenso häufig verbreitet wie die Schistosomiasis. Die Hoffnung bestand, mit der Gabe von Praziquantel „zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“. Nach der
Behandlung waren die Menschen zunächst auch von diesen Trematoden befreit, doch nach einigen Mahlzeiten mit rohem Fisch aus dem Mekong stieg die Infektionsrate wieder
an.
So wird der Schwerpunkt der weiteren Arbeit in einer nur auf den ersten Blick einfachen Änderung der Lebensgewohnheiten liegen, wozu auch die intensive Zusammenarbeit mit den thailändischen Präventionseinrichtungen empfohlen wird. Der inzwischen hoch entwickelte Nachbar hat parasitäre Erkrankungen bei früher ähnlichen Verhältnissen wie heute in Laos zwischenzeitlich hervorragend in den Griff bekommen.Auch die WHO-Experten zeigten sich zum Abschluss des Workshops überzeugt, dass der Erfahrungsaustausch über solch gelungene Modellprojekte zu über den Tag hinaus reichenden weiteren Erfolgen in Laos und anderen Länder führen wird.

Arzneimittelnothilfe - GPHF stellt neues Projekt
vor
Handbuch entwickelt / Informationsveranstaltung im Januar 2001
Im Januar 2001 wird der GPHF im Rahmen einer Veranstaltung sein neues Projekt Arzneimittelnothilfe offiziell der Öffentlichkeit vorstellen. Nach den positiven Erfahrungen des vergangenen Jahres, als der GPHF Hilfsorganisationen Arzneimittelspenden seiner Mitglieder im Millionenwert zugunsten der Opfer des Kosovo-Krieges und des Erdbebens in der Türkei zur Verfügung stellen konnte, wird diese Vermittlungsfunktion im Falle akuter humanitärer Notsituationen nun
institutionalisiert.
Zukünftig können sich Arzneimittelhersteller, Ministerien und internationale Hilfsorganisationen in solchen Fällen unmittelbar an den GPHF wenden, der Spendennachfragen und Spendenangebote gemäß den internationalen Leitlinien für Arzneimittelspenden der Weltgesundheitsorganisation koordinieren wird. Für seine Mitglieder hat der GPHF darüber hinaus ein praktisches Handbuch zum Thema Arzneimittelspenden erstellt. Im Rahmen der geplanten Veranstaltung sollen Spendenbeauftragten von Arzneimittelherstellern auch vertiefende Informationen zu den rechtlichen Aspekten der Arzneimittelspendenpraxis angeboten werden. Nähere Informationen zu der Veranstaltung, die am 24. Januar 2001 in Bonn stattfinden soll, sind über die Geschäftsstelle des GPHF zu
erfragen.
Das vom GPHF speziell für die in seinen Mitgliedsunternehmen mit Arzneimittelspenden befassten Personen entwickelte Handbuch bündelt alle relevanten Informationen zum Thema Arzneimittelnothilfe
/ Arzneimittelspenden. Es enthält internationale Leitlinien ebenso wie übersichtlicheFormulrzurBearbeitungvonSpendenanfragen und Listen mit den zuständigen Ansprechpartnern in Ministerien, bei Hilfsorganisationen und Arzneimittelherstellern. Ergänzt werden die Informationen um zwei gesonderte Kapitel zu den Themen Arzneimittelspen den undArzneimittelrecht bzw. Arzneimittelspenden und Steuerrecht. Interessenten für das Handbuch aus den Mitgliedsunternehmen des GPHF bzw. VFA wenden sich bitte ebenfalls an die Geschäftsstelle des GPHF.
Eine gemeinsame Erklärung zur zukünftigen Praxis von Arzneimittelspenden befindet sich gegenwärtig in der Abstimmung zwischen dem Deutschem Roten Kreuz, dem Deutschen Medikamenten-Hilfswerk action medeor, dem Deutschen Institut für ärztliche Mission (DIFÄM) und dem GPHF. Die Erklärung reflektiert die Ergebnisse der letztjährigen Round Table-Gespräche der Organisationen und soll den gemeinsamen Willen dokumentieren, Arzneimittelspenden entsprechend den internationalen Empfehlungen der WHO durchzuführen. Unter dem Titel "Getting It Right In Germany" hat jetzt auch die angesehene und in Brüssel erscheinende Fachpublikation Humanitarian Affairs Review im Rahmen eines Gespräches mit der stv. GPHF-Vorsitzenden Dr. Carola Fink-Anthe das diesbezügliche Engagement des GPHF
gewürdigt.

Kampf gegen gefälschte Arzneimittel wird
intensiviert
Weltweite Nachfrage nach mobilem Kompaktlabor des GPHF / Videos und Poster zum GPHF-Minilab® liegen jetzt vor
„Malaria: Dozens dead in Cambodia from counterfeit drugs“, „Antibiotic imports may have killed 17“, „Everyday people die because of counterfeit drugs“ – Schlagzeilen der internationalen Presse der vergangenen Monate, die den Kampf gegen gefälschte oder qualitativ minderwertige Arzneimittel notwendiger denn je erscheinen lassen. Dies spiegelt sich auch in den weit über 200 Anfragen aus aller Welt wieder, die dem German Pharma Health Fund zwischenzeitlich für das von ihm entwickelte GPHF-Minilab® vorliegen. Mit dem mobilen Kompaktlabor ist es innerhalb kurzer Zeit möglich, die Qualität von Arzneimitteln zuverlässig zu bestimmen und Menschen vor einer mitunter tödlichen Gefahr zu schützen.
Bereits 40 Minilabs im Einsatz
Über 40 GPHF-Minilabs befinden sich in Afrika, Asien und Mittel- bzw. Südamerika bereits im Einsatz. Als großen Erfolg wertet es der GPHF, dass die Testmethodik des Minilabs auch in das Roll Back Malaria-Programm der Weltgesundheitsorganisation integriert wurde und jetzt die Arzneimittelqualität in Ghana, Gabun, Mali, Sudan, Mosambik, Simbabwe, Tansania und Kenia untersucht. Seit Beginn dieses Jahres laufen zudem bereits zwei Anwendungsbeobachtungen des Kompaktlabors in Tansania und
Ghana.
Präsentation auf EXPO 2000 und vor Weltbank
Der internationale Stellenwert, der dem Kampf gegen das Vordringen gefälschter Arzneimittel mittlerweile beigemessen wird, zeigt sich auch in der Vielzahl der Präsentationen des Minilabs. So wird es beispielsweise im Rahmen der EXPO 2000 sowohl im Pavillon Health Futures als auch im Ausstellungsbereich der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit als eines der weltweit beispielhaften Gesundheitsprojekte vorgestellt. Besucher aus aller Welt konnten sich in Hannover bereits von der Tauglichkeit der einfachen Testmethoden zur Identifikation gefälschter oder qualitativ minderwertiger Arzneimittel überzeugen. Weitere Präsentationen erfolgten in den vergangenen Monaten u.a. bei der Weltbank in New York, den Jahrestagungen der Pharmaceutical Students Federation in El Salvador und der Fedération Internationale Pharmaceutique (FIP) in Wien sowie bei zahlreichen Entwicklungshilfeorganisationen in
Deutschland
Unlängst hat die Weltgesundheitsorganisation noch einmal auf die Gefahr durch gefälschte Arzneimittel hingewiesen und unterstrichen, dass nur Experten in der Lage seien, Fälschungen bereits am Etikett oder der Verpackung zu erkennen. Weitere Fortschritte bei der Verbreitung des Minilabs erhofft sich der GPHF daher auch von der Zusammenarbeit der Genfer Gesundheitsbehörde mit dem internationalen Pharmaverband IFPMA unter dem Motto „Access to
quality drugs“ sowie den Bemühungen des philippinischen National Drug Policy Programms, das sich insbesondere einer Bekämpfung der auf den Inseln weit verbreiteten gefälschten Arzneimittel verschrieben hat.

Auf einen Blick: das Minilab und seine Testmethoden.
Original oder Fälschung? Video zeigt Minilab im Einsatz
Zur weiteren Bewusstseinsbildung für die Gefährdungen durch Arzneimittelfälschungen hat der GPHF jetzt auch ein Video und zwei Poster produziert. Das 14-minütige Video, das in deutscher, englischer, französischer und spanischer Version und in unterschiedlichen TV-Normen vorliegt, schildert das Problem gefälschter Arzneimittel am Beispiel Kenia und stellt das Minilab als praktische und zuverlässige Hilfe zur Verbesserung der Arzneimittelqualität vor. Die beiden Poster wenden sich sowohl mit sachlichen als auch mit emotionalen Argumenten an ihre Betrachter: Während ein Poster das Minilab in seinen geöffneten Transportkoffern zeigt und sein vierstufiges Prüfschema erläutert, zeigt das zweite Poster eine ausgestreckte Hand mit zwei Tabletten unter der provozierenden Textzeile „Genuine or
Fake?“.

Orginal oder Fälschung? Das Minilab beantwortet die Frage innerhalb kurzer Zeit.
Monographien für weitere Wirkstoffe
Das GPHF-Minilab steht gegenwärtig bereits für 20 weltweit verbreitete Arzneimittelwirkstoffe zur Verfügung. Es ist geplant, bereits 2001 neue Wirkstoffe in die Testmethodik zu integrieren, um den Methoden zukünftig noch weitere Einsatzmöglichkeiten zu erschließen. Ausführliche Informationen zum GPHF-Minilab® in deutscher, französischer und englischer Sprachesind ebenso wie Videos und Poster über die Geschäftsstelle des GPHF zu beziehen.
Auch Stiftung Warentest warnt vor Fälschungen
Wie real eine Gefährdung durch gefälschte Medikamente mittlerweile auch in Deutschland geworden ist, hat jetzt die Stiftung Warentest in einer Warnung vor dem Bezug von Arzneimitteln aus dem Internet berichtet. Die Berliner Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass das Netz zum derzeit wichtigsten Markt für Arzneimittelfälscher geworden sei. Gefährdungen der Gesundheit durch qualitativ minderwertige oder gefälschte Medikamente seien folglich nicht auszuschließen.

Gesundheit sponsern?
Im Rahmen einer Fachtagung in Berlin, die von der Stiftung Immunität und Umwelt veranstaltet wurde, diskutierten in diesem Sommer Experten die Perspektiven des Health Sponsoring für Entwicklungsländer. Repräsentanten der Weltgesundheitsorganisation, von
Entwicklungshilfeorganisationen und von internationalen Unternehmen verwiesen übereinstimmend auf das immense Potential dieses neuen Finanzierungsweges zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern.
Einhellig wurde unterstrichen, dass es angesichts der Herausforderungen nicht nur die Aufgabe staatlicher Institutionen sein könne, das Menschenrecht auf eine ausreichende Gesundheitsversorgung zu verwirklichen. Nähere Informationen zu der Tagung „Health Sponsoring – Ein Finanzierungskonzept mit Zukunft?“ sind direkt über die Stiftung Immunität und Umwelt, St. Johannes 5, 59368 Werne, Telefon/Telefax: 0 23 89-9 89 41-0/-11, zu beziehen.

Weitere Spenden für GPHF-Projektarbeit
Nach dem bereits die Unternehmen AstraZeneca, Aventis Behring, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Chiron Behring, Grünenthal, Heumann, Knoll, Merck, Novartis, Schwarz Pharma und Schering sowie der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller mit namhaften Spenden die diesjährige Projektarbeit des GPHF unterstützt haben, haben nun auch die Firmen Bayer, Jannsen-Cilag und Sanavita ihre Spende für die Projektarbeit des GPHF im Jahr 2000 entrichtet. Der GPHF dankt allen
Spendern für Ihre großzügige Unterstützung.

Kurz berichtet
Wasser wird knapp
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung lebt mittlerweile über eine halbe Milliarde Menschen in Regionen, in denen Wasser Mangelware ist. Bis 2025 könnte diese Zahl auf über 3 Milliarden
steigen.
Armut nimmt zu
Nach Angaben des Vereinten Nationen nimmt die Zahl der Armen weltweit wieder zu. 1,2 Milliarden Menschen gelten nach den Kriterien des UN-Entwicklungsprogramms als arm. Auch die aktuellen UN-Statistiken über Analphabetismus, Kindersterblichkeit und Lebenserwartung zeigten für die 90er Jahre kaum Verbesserungen.
Arzneimittelversorgung in der Dritten
Welt
Das Positionspapier "Arzneimittelversorgung in der Dritten Welt" der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung und des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) liegt als unveränderte Neuauflage vor. Es kann u. a. über den VFA, Hausvogteiplatz 13, 10117 Berlin, bezogen
werden.
Tropenmedizin im Internet
Aktuelle Informationen zur Tropenmedizin sind im Internet unter folgenden Adressen
abzurufen:
· Robert-Koch-Institut: www.rki.de
· Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de
· Paul-Ehrlich-Institut: www.pei.de
· Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit: www.dtg.mwn.de


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