GPHF NEWS III / 98

 

Dr. Hilmar Kienzl neuer Vorsitzender des GPHF
Dr. Welters in den Ruhestand getreten

n0398_1.jpg (8105 bytes)Dr. Hilmar Kienzl ist zum neuen Vorsitzenden des German Pharma Health Fund e.V. (GPHF) gewählt worden. Er tritt die Nachfolge von Dr. Reiner Welters an, der zum 31. August 1998 in den Ruhestand getreten ist und sein Amt als Vorsitzender des GPHF niedergelegt hat. Dr. Kienzl (54) ist Mitglied der Geschäftsleitung der Zeneca GmbH und wird wie alle Vorstandsmitglieder des GPHF ausschließlich ehrenamtlich tätig sein. Der GPHF ist eine Initiative der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland, die Modellprojekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern durchführt. Ihm gehören 22 Arzneimittelhersteller und der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) an, die die Durchführung der GPHF-Projekte durch ihre Spenden ermöglichen.

Dr. Kienzl studierte Medizin in Bonn, Gießen und Ulm und ist approbierter Arzt. Seit fast 28 Jahren ist er in verantwortlicher Position in der pharmazeutischen Industrie tätig. 1983 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung der Zeneca GmbH (vormals ICI-Pharma), wo er bis heute das Ressort Medizinisches Marketing/Vertrieb verantwortet.

Anläßlich seiner Wahl zum neuen GPHF-Vorsitzenden erklärte Dr. Kienzl, daß er die sehr erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Dr. Welters als Vorbild auch für die weitere Entwicklung des GPHF begreift und auf ihr aufbauen wird.

Dr. Reiner Welters, der dem GPHF-Vorstand seit seiner Gründung 1985 angehört hat, war seit 1993 Vorsitzender des GPHF. Während seiner Amtszeit konnte der GPHF insbesondere in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zahlreiche erfolgreiche Modellprojekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern realisieren. So wurde u.a. in Ostafrika ein mehrjähriges Programm zur Diagnose und Therapie parasitärer Infektionen durchgeführt, das von der WHO heute als beispielhaft empfohlen wird.

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Im Rahmen einer Feierstunde in Bonn verabschiedete der GPHF seinen Vorsitzenden Dr. Reiner Welters in den Ruhestand. Dr. Gabriele Küsters (rechts) dankte Dr. Welters im Namen der Mitglieder des GPHF für sein langjähriges Engagement zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern. Dr. Welters gehörte dem Vorstand des GPHF seit seiner Gründung im Jahre 1985 an. Seit 1993 war er Vorsitzender des Vereins.

Als eine vorrangige Aufgabe seiner Amtszeit sieht Dr. Kienzl die Erweiterung der Spendenbasis des GPHF an, um zukünftig noch weitere Gesundheitsprojekte entwickeln zu können, in deren Rahmen den Menschen in den Entwicklungsländern das spezifische Know how der pharmazeutischen Industrie nutzbar gemacht wird. Im Projekt GPHF-Minilab®, einer einfachen Testmethode zur Aufdeckung der insbesondere in Entwicklungsländern weit verbreiteten Arzneimittelfälschungen, sieht der neue GPHF-Vorsitzende diesen Gedanken bereits zukunftsweisend verwirklicht. In der Führung des GPHF wird Dr. Kienzl von Joachim Trautschold (stv. Vorsitzender), Dr. Gabriele Küsters (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied) und Dr. Joachim Moormann (Schatzmeister) unterstützt werden.

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Einfache Tests schützen jetzt vor gefälschten Arzneimitteln

Nach zweijähriger Dauer hat der GPHF jetzt die Entwicklung einfacher Testmethoden zur Aufdeckung gefälschter oder qualitativ minderwertiger Arzneimittel abgeschlossen. Ab sofort steht mit dem GPHF-Minilab® eine zuverlässige und kostengünstige Methode zur Verfügung, mit der die weltweit verbreiteten Fälschungen problemlos aufgespürt werden können. Das mobile, tropentaugliche und einfach zu handhabende Kleinlabor soll zukünftig vor allem in Entwicklungsländern eingesetzt werden, die in besonderem Maße von Arzneimittelfälschungen betroffen sind.

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Ein komplettes Labor in zwei Koffern.
Projektleiter Dr. Jähnke erhofft sich durch das GPHF-Minilab® einen
wirksamen Schutz vor gefälschten und qualitativ minderwertigen
Arzneimitteln.

Die Fälschung von Arzneimitteln und die Verbreitung minderwertiger Medikamente haben sich zu einem ernsten Problem der Weltgesundheit entwickelt. Internationale Gesundheitsexperten gehen davon aus, daß sieben Prozent aller weltweit vertriebenen Arzneimittel gefälscht sind. Betroffen sind vor allem die Menschen in Entwicklungsländern, denen qualitativ gute und kostengünstige essentielle Arzneimittel nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. In diesen Ländern fehlen zudem noch weitgehend die Voraussetzungen einer wirksamen Arzneimittelkontrolle.

Vor diesem Hintergrund hat der GPHF in Zusammenarbeit mit Professor Peter Pachaly, Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn, und Professor Klaus Fleischer, Missionsärztliches Institut Würzburg, seit 1996 einfache Testmethoden entwickelt, die die Menschen in den Entwicklungsländern vor den nicht selten tödlichen Konsequenzen der Einnahme gefälschter oder qualitativ minderwertiger Arzneimittel schützen sollen.

Tests erfolgreich abgeschlossen

Zielsetzung des Projekts unter Leitung von Dr. Richard Jähnke (GPHF) war die Bereitstellung einfacher Testverfahren, die es ermöglichen, minderwertige oder gefälschte Fertigarzneimittel unter den besonderen Bedingungen von Entwicklungsländern zu identifizieren. Dabei sollten die Verfahren nicht nur preiswert, transportabel und vielseitig einsetzbar, sondern auch für weniger intensiv ausgebildetes Personal zuverlässig durchführbar sein.

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Eine Mitarbeiterin des Missionsärztlichen Instituts Würzburg erläutert hier einem tansanischen Apotheker die Methoden.
In den vergangenen zwölf Monaten wurde das GPHF-Minilab® jeweils mehrere Wochen auf den Philippinen, in Kenia, Ghana und Tansania getestet. Es hat sich dabei als wirksames Instrument zur Identitäts- und Qualitätsprüfung von Arzneimitteln erwiesen. Die Erprobungen haben bestätigt, daß die Tests problemlos in Krankenhäusern, ländlichen Gesundheitsstationen und Apotheken durchzuführen sind. Als Einsatzorte bieten sich aber auch Flugplätze, Häfen oder Zollbehörden an.

Prüfung in vier Schritten

Die Prüfung der Qualität von Fertigarzneimitteln durch das GPHF-Minilab® erfolgt im Rahmen eines vierstufigen Prüfschemas, das sich sehr einfacher physikalischer und chemischer Analysetechniken bedient:

  1. Sichtung der Arzneimittel auf äußerliche Auffälligkeiten an den Tabletten- und Kapselzubereitungen sowie deren Verpackungsbestandteilen.
  2. Einfache Tabletten- und Kapselzerfallsprüfung zur ersten Abschätzung von Mängeln hinsichtlich der Löslichkeit.
  3. Schneller Identitätsnachweis direkt an der Arzneizubereitung anhand einfacher Farbreaktionen.
  4. Gehaltsbestimmung von kritischen Proben sowie zusätzliche Bestätigung der Identität anhand einer semiquantitativen dünnschichtchromatographischen Untersuchung.

Auf Basis der Essential Drug List der Weltgesundheitsorganisation und unter Berücksichtigung der gängigen Verordnungspraxis wurden Testmethoden für zunächst 15 Wirkstoffe entwickelt. In die Auswahl der Wirkstoffe für das GPHF-Minilab® wurden insbesondere die Antibiotika und Chemotherapeutika bzw. die schmerz- und entzündungshemmenden Mittel einbezogen, die in der Vergangenheit am häufigsten gefälscht wurden.

Ein komplettes Labor in zwei Koffern

Das GPHF-Minilab® ist so konzipiert, daß alle für die Prüfungen der Arzneimittel erforderlichen Geräte in zwei transportablen Einheiten in der Größe handelsüblicher Reisekoffer zusammengefaßt sind. Da das Minilab auch ohne externe Energiequelle einsatzfähig ist und nur ca. 20 kg wiegt, ist es auch problemlos für einen mobilen Einsatz geeignet.

Zur Ausstattung des Minilabors zählen neben Referenzsubstanzen der 15 ausgewählten Wirkstoffe aller erforderlichen Laborgeräte wie z. B. Reagenzgläser, Pipetten, DC-Fertigplatten und -Kammern sowie batteriebetriebene UV-Lampen mit unterschiedlichen Wellenlängen. Die Anleitungen für die Durchführung der Tests sind in zwei englischsprachigen Manuals zusammengefaßt, die ebenfalls Bestandteil des GPHF-Minilabs® sind. Sie enthalten detaillierte und einfach nachvollziehbare Beschreibungen aller Arbeitsschritte, die im Rahmen der Prüfungen durchzuführen sind.

Wirkstoffe, die das GPHF-Minilab® testet:
Acetylsalicylsäure
Amoxicillin
Ampicillin
Chloramphenicol
Chloroquin
Cloxacillin
Co-Trimoxazol
Erythromycin
Mebendazol
Metamizol
Metronidazol
Paracetamol
Phenoxymethylpenicillin
Prednisolon
Tetracyclin
Die Einbeziehung der Wirkstoffe Aminophyllin, Furosemid, Isoniazid, Rifampicin und Sulfadoxin/Pyrimethamin ist in einer Ausbaustufe geplant.

Zur Grundausstattung zählen ferner alle nötigen Lösungsmittel und Reagenzien, die gesondert zur Verfügung gestellt werden. Abgerundet wird die Ausstattung durch Prüfprotokolle und Bestandslisten, die jederzeit ein zuverlässiges Labormanagement ermöglichen.

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Die Dünnschichtchromatographie liefert endgültige 
Gewißheit, in welcher Qualität ein Wirkstoff in einem 
Arzneimittel vorhanden ist.

Prüfungen zu geringen Kosten

Neben der Zuverlässigkeit und den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten waren geringe Anschaffungskosten oberste Prämisse bei der Konzeption des GPHF-Minilabs®. Durch intensive Entwicklungsarbeit, ist es gelungen, das Minilab zu den reinen Gestehungskosten von US-Dollar 2.570 (EURO 2.260) zzgl. anfallender Steuern, Versandkosten und Zollgebühren anbieten zu können. Da mit der Erstausstattung an Reagenzien und Lösungsmitteln ca. 3.000 Identitätsnachweise mittels Farbreaktionen und 1.000 Gehaltsprüfungen mittels Dünnschichtchromatographie durchzuführen sind, betragen die durchschnittlichen Kosten für eine Qualitätsprüfung ca. 2 DM.

Beispiele von Arzneimittelfälschungen:

- Nigeria 1990
Ein Hustensaft wird mit giftigem Lösungsmittel „gestreckt“. Über 100 Kinder sterben.
- Mexiko 1991
Tausende Brandsalben enthalten Sägemehl.
- Türkei 1993
1993 wird ein Apotheker verhaftet, der Medikamente nach Afrika exportieren will. Der Wirkstoff seiner „Medikamente“ besteht aus Backpulver.
- Haiti 1996
Mindestens 59 Kinder starben nach der Einnahme eines gefälschten Fiebersirups
- China 1997
Im Rahmen von Untersuchungen erweisen sich 10 Prozent der getesteten Medikamente als minderwertig oder gefälscht..

Schulung empfohlen

Obwohl das GPHF-Minilab® bewußt einfach konzipiert wurde, empfehlen GPHF und das Missionsärztliche Institut Würzburg (MIW) eine einführende Schulung zur Anwendung der Testmethoden. Dies gilt insbesondere für Personen, die vor Ort in den Entwicklungsländern Untersuchungen von Arzneimitteln durchführen sollen. Zu diesem Zweck werden kostengünstige Schulungsmöglichkeiten angeboten.Aus Sicht der Projektverantwortlichen stellt das GPHF-Minilab® für alle Organisationen und Einrichtungen, die auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern tätig sind, zukünftig einen wichtigen Baustein zur qualitativen Verbesserung der Arzneimittelversorgung dar.

Infos zum Minilab
Zur Vorstellung des GPHF-Minilab® hat der GPHF das achtseitige Faltblatt „Das GPHF-Minilab®“ aufgelegt. Das Faltblatt ist in deutscher, englischer und französischer Version verfügbar und kann kostenlos über die Geschäftsstelle des GPHF, Postfach 150 123, 60061 Frankfurt am Main, Tel./Fax: + 49 (0) 69 / 63 15 32 57 oder das Internet (http://www.gphf.org) bezogen werden.
In aktualisierter Form liegt jetzt auch wieder das Faltblatt „Arzneimittelfälschungen“ vor, das ebenfalls kostenlos über den GPHF bestellt werden kann.

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GPHF-Spendenaufruf 1998

Der GPHF dankt der Hoechst Marion Roussel Deutschland GmbH für die großzügige Unterstützung seiner Projektarbeit.

Insgesamt 19 Arzneimittelhersteller sowie der Verband Forschender Arzneimittelhersteller haben den GPHF 1998 damit bisher mit einer Spende unterstützt.

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Neues aus der GPHF-Projektarbeit

Mauretanien:

Im Rahmen der letzten GPHF-Vorstandssitzung gab Dr. Urbani als Vertreter der WHO einen aktuellen Überblick über die Fortschritte, die bisher im Rahmen des vom GPHF im Süden Mauretaniens geförderten Modellprojekts zur Bekämpfung tropischer Infektionskrankheiten erzielt werden konnten. Das Projekt, das der GPHF gemeinsam mit den mauretanischen Gesundheitsbehörden und der WHO durchführt, zielt auf eine Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung und die nachhaltige Therapie der Malaria, des Giunea-Wurms und der Schistosomiasis.

Mit dem vom GPHF zur Verfügung gestellten Finanzmitteln wurden bisher epidemiologische Untersuchungen und Schulungen mauretanischer Mitarbeiter des Gesundheitswesens durchgeführt. Ferner wurden Labormaterialien und Medikamente zur Verfügung gestellt sowie ein Dokumentationszentrum eingerichtet. Nach den ermutigenden Zwischenergebnissen erhoffen sich GPHF und WHO in der zweiten Projektphase (bis Mitte 1999) eine weitere Verbesserung der Gesundheitsversorgung im Projektgebiet. Bereits heute hat die WHO dem GPHF eine Fortsetzung des Modellprojekts für zwei weitere Jahre angeboten.

Indonesien:

Im Rahmen des Modellprojekts zur Diagnose von Jodmangelerkrankungen wurden mit dem vom GPHF bereitgestellten Diagnosefahrzeug zwischenzeitlich ca. 5.000 Untersuchungen bei Schulkindern und schwangeren Frauen auf Java durchgeführt. In den kommenden Monaten sind weitere Untersuchungen auf Sumatra und Bali geplant.

Nach Angaben des indonesischen Gesundheitsministeriums wird die Prävalenz der Kropfbildung auf 28 Prozent der Bevölkerung Indonesiens geschätzt. Das Projekt des GPHF soll geeignete Prophylaxe und Therapiemaßnahmen vorbereiten. Ziel ist es, die Prävalenz der Erkrankung bis zum Jahr 2000 auf ca. 10 Prozent zu verringern.

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GPHF im Internet

Nachdem der GPHF seit August in deutscher Sprache im Internet vertreten ist, steht ab sofort auch eine englische Textversion der GPHF-Informationen zur Verfügung.

Die Internet-Adresse des GPHF lautet: http://www.gphf.org.

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Zitat

„Die Frage der Weltbevölkerung ist keine des Schicksals, sondern der Gestaltung.“
Prof. Rita Süssmuth

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