GPHF 2004: Arzneimittelfälschungen - Ein skrupelloses Geschäft
Gefälschte Medikamente: Ein weltweites Problem "Plagiate sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente", schrieb Theodor Fontane. Aber auf Komplimente sollte man verzichten, wenn sie Menschen schaden. Markenprodukte, z. B. Uhren oder Kleidung, sind weltweit bekannt und begehrt und wecken weltweit das Interesse skrupelloser Produktfälscher. Dies gilt in zunehmendem Maße auch für Arzneimittel. Fehlende Kontrollen, die verständliche Zurückhaltung betroffener Hersteller und die Tatsache, dass Arzneimittelfälschungen letztlich ein Teilbereich der organisierten Kriminalität sind, legen die Vermutung nahe, dass das wahre Ausmaß des Problems noch im Dunkeln liegt. Grausame Realitäten: Beispiele von Arzneimittelfälschungen Es ist unstrittig, Arzneimittel spielen in der Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle: Sie retten Leben, beschleunigen die Heilung von Erkrankungen und lindern die Symptome von Krankheiten, die heute noch nicht ursächlich bekämpft werden können. Um so verwerflicher ist es, wenn Arzneimittel gefälscht werden und so zur Ursache von Leiden oder Tod werden:
Beispiele, die belegen, dass der Mangel an Arzneimitteln, der noch immer in vielen Ländern herrscht, skrupellos ausgenutzt wird. Den Fälschungen auf der Spur - Eine Bilanz des Grauens Für die Jahre zwischen 1982 und 1999 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit über 770 Arzneimittelfälschungen erfasst und dokumentiert. Über 50 Prozent der Fälle betrafen allein die Jahre seit 1993 – Tendenz steigend. Nahezu 70 Prozent der Fälschungen wurden in den Entwicklungsländern entdeckt, vor allem in den Staaten Afrikas. Weit mehr als ein Drittel aller Fälle betrafen Antibiotika – die Medikamentengruppe, die am häufigsten von Fälschungen betroffen ist. Fast 60 Prozent der von der WHO detailliert dokumentierten Fälschungen enthielten keinen Wirkstoff, 19 Prozent eine falsche Menge der Wirkstoffe und 16 Prozent gänzlich falsche Wirkstoffe. Nur die wenigsten der dokumentierten Fälschungen enthielten die korrekte Qualität und Quantität der Inhaltsstoffe wie vergleichbare Originalpräparate.
Was wird gefälscht? Vier Typen von Arzneimittelfälschungen
Arzneimittelfälschungen - Nur ein Problem der Entwicklungsländer? Während in den Industrienationen aufgrund der arzneimittelrechtlichen Anforderungen und Kontrollen, des dichten Informationsnetzes und der engen Zusammenarbeit von Herstellern, pharmazeutischem Großhandel, Apotheken und Behörden ein hohes Maß an Arzneimittelsicherheit herrscht, fehlen in Entwicklungsländern oft die Voraussetzungen für eine wirksame Arzneimittelkontrolle:
Viele Grenzen sind zudem kaum zu überwachen, so dass Arzneimittel vielerorts gänzlich unkontrolliert auf die Märkte gelangen können.
Arzneimittelfälschungen sind aber nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer. Auch in Europa und Nordamerika mehren sich nach Informationen der WHO die Anzeichen für ein Vordringen gefälschter Medikamente. So wurden in den USA 1,5 Millionen Antibabypillen beschlagnahmt, die zu wenig Wirkstoff enthielten, und in britischen Fitness-Studios entdeckte man Mittel zur Muskelbildung in nicht zugelassenen Injektionsformen.
Schutz vor Fälschungen: Internationale Initiativen Auch für Deutschland ist eine Gefährdung durch Arzneimittelfälschungen nicht auszuschließen, zumal über deutsche Freihäfen bereits unterdosierte Medikamente verschifft, in deutschen Apotheken gefälschte Arzneimittel entdeckt und ein von Niederbayern aus agierender Ring von Anabolika-Fälschern ausgehoben wurde. Alle national und international Verantwortlichen sind aufgerufen, die strenge Arzneimittelkontrolle in den Industrienationen weiterzuentwickeln und die Entwicklungsländer beim Aufbau einer wirksamen Basiskontrolle zu unterstützen. Gefälschte Medikamente - Tipps für Verbraucher und Touristen
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